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Gute Vorsätze und Bogenschießen

 

Na, schon über gute Vorsätze für das neue Jahr nachgedacht?

 

Es gibt ja viele Gründe, sich an Silvester nichts vorzunehmen: Was einem wichtig ist, kann man an jedem beliebigen Tag im Jahr beginnen. Mancher mag sich auch vielleicht etwas albern vorkommen, im Strom dieses Brauchs mitzuschwimmen. Auch weil die Erfahrung zeigt, dass man die guten Vorsätze sowieso nur kurz auf die Straße kriegt und dann der alte Schlendrian wieder einreißt.

 

Ich bin immer für Individualität und der Meinung, dass jeder für sich selber achten darf, was zu welcher Zeit wie dran ist. Und trotzdem finde ich: Der Brauch der guten Vorsätze zum neuen Jahr hat was.

 

Der 01.01. eines Jahres ist ein deutlicher Anfang. Es gibt frische Kalender, wir beginnen unsere Monate von neuem zu zählen. Und wir haben vor allem das alte Jahr mit Silvester verabschiedet. Alles in allem eine gute, stützende Symbolik für einen Neustart.

 

Neustart klingt dramatisch und alles-verändernd. Das meine ich nicht. Wobei auch das sein darf, wenn erforderlich. Meiner Erfahrung nach sind es oft die kleineren Dinge, die schon einen großen Unterschied machen. Das dürfte eigentlich nicht überraschen, da sich unser aller Alltag und damit unser aller Leben aus den vielen, vielen kleinen einzelnen Momenten zusammensetzt. Ein Neustart ist für mich immer so groß wie nötig – nicht so groß wie möglich.

 

Aber was wollen wir denn neu starten? Oder vielleicht auch beenden? Ob ich mich dazu bei Menschen persönlich erkundige oder Statistiken anschaue; die großen Themen-Blöcke variieren nur in der Reihenfolge und auch das nur minimal. Nicht erst seit diesem Jahr wird die Top Ten Liste der guten Vorsätze in Deutschland angeführt von dem Wunsch, Stress zu vermeiden oder abzubauen. Ziemlich dicht gefolgt ist dieser Vorsatz von dem Vorhaben, sich mehr Zeit für Familie und Freunde zu nehmen und mehr Sport zu machen. Auch mehr Zeit für sich selbst taucht in den einschlägigen Statistiken meist unter den Top Five auf.

 

Oho, denke ich – also ein besseres Stressmanagement ist das, was sich knapp 60% der Deutschen für das neue Jahr vornehmen und wünschen. Das überrascht mich nicht, spiegelt es doch die Realität vieler Menschen wieder, mit denen ich spreche und arbeite. Und gleichzeitig erklärt sich mir sofort die geringe Erfolgsquote (nur 5%!) beim Umsetzen unserer guten Vorsätze.

 

Denn, was heißt das denn, "Stress vermeiden oder abbauen"? Was ist denn Stress? Wie komme ich meinem Stress auf die Schliche? Und wie schaffe ich es, ihn dann auch noch zu verringern?

 

Da lobe ich mir doch fast die Zeiten, als Abnehmen noch die Liste der guten Vorsätze angeführt hat. Dazu gab es massenhaft Tipps und Tricks und Pläne und Rezepte. Und auch jedem Verfechter der Schwere-Knochen-Theorie war doch auch klar, dass das Gewicht in ziemlich direktem Zusammenhang mit der Nahrungszufuhr und dem Energieverbrauch steht.

 

Aber bei Stress? Es gibt Entspannungsmethoden und Zeitmanagement-Tools, Wellness-Wochenenden und Lärm-Reduktion, Yoga und Aufgaben-Delegation. Aber wir merken doch immer wieder, dass das irgendwie nur die halbe Miete ist. Und während also Diäten einfach oft nicht zu funktionieren scheinen, gibt es für eine Entschlackungs-Kur zum Thema Stress noch nicht mal eindeutige Rezepte.

 

Es hilft nichts: Wenn wir etwas verändern wollen, brauchen wir die Auseinandersetzung mit uns selbst. Und die beginnt gut mit etwas Besinnung; mit etwas Innehalten. Mal ehrlich, wir sind doch wieder mit ordentlich Geschwindigkeit im Hamsterrad in dieses Weihnachtsfest rotiert. Ich sage es, wie es ist – wer sich aus dieser Rotationsgeschwindigkeit heraus vornimmt, im neuen Jahr den Stress zu reduzieren, der wird 2019 zu den 95% gehören, die mit ihren guten Vorsätzen scheitern.

 

Was also tun?

 

Nun, das Rezept gilt es individuell zu erarbeiten. Aber ein guter Anfang ist das Prinzip vom Bogenschützen. Fokussiert konzentriert sich der Bogenschütze auf sein Ziel und spannt den Bogen kraftvoll, um seinen Pfeil dorthin zu schicken, wo er ihn haben möchte. Die Kraft für die Anspannung schöpft er aus der Entspannung und bevor er den Pfeil fliegen lässt, hält er inne und atmet.

 

Wie wäre es also mit Innehalten und Atmen?

 

Die aktuelle Zeit zwischen den Jahren ist dafür goldwert. Wenn wir es schaffen, sie nicht mit Terminen zu füllen und To-Do-Listen abzuarbeiten, könnten wir uns einfach mal eine Runde langweilen. Meine Empfehlung lautet, mal den Handlungs-Impulsen zu widerstehen und Leerlauf zuzulassen. Also, vielleicht mal nicht nach dem Handy zu greifen, wenn es in den Fingern juckt, mal nicht jede Minute zu füllen mit Erledigungen, Wegräumen und Saubermachen. Sondern vielleicht mal ein, zwei Löcher in die Luft zu schauen oder mal eine Runde kuschelnd auf dem Sofa zu liegen, Musik zu hören und ihr zu lauschen ohne dabei etwas Anderes zu tun.

 

Einfach mal da sein im Jetzt. Und atmen.

 

Photo by Zoltan Tasi on Unsplash

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Erfahrungen & Bewertungen zu Katrin Hormann . Life Balance Coach