Mit den Haien schwimmen? Deine Entscheidung!

 

Wie läuft es denn so mit den guten Vorsätzen von Silvester?

 

Gräme Dich nicht, wenn es besser laufen könnte. Du bist in guter Gesellschaft. Nur fünf Prozent von uns setzen ihre Neujahrsvorsätze erfolgreich um. Ich schrieb ja schon, dass ich die Silvester-Vorsätze gut und sinnvoll finde (s. „Gute Vorsätze und Bogenschießen“). Das liegt aber hauptsächlich daran, dass wir mit ihnen Entscheidungen treffen über unser eigenes zukünftiges Verhalten. So deckt dieser symbolträchtige Zeitpunkt an Silvester unsere Unzufriedenheiten auf. Wir überlegen, was wir ändern wollen. Super! Und zum Glück konzentrieren wir uns dabei ganz auf uns selbst. Ich zumindest habe noch keinen guten Vorsatz gehört wie: „Mein Mann soll fünf Kilo abnehmen.“. Das ist auch gut so, denn realistischerweise haben wir auch immer nur unser eigenes Denken, unsere Gefühle und unser eigenes Handeln in der Hand.

 

Aber ganz ehrlich (und das ist die gute Nachricht für Alle, die viel zu abgelenkt waren vom Feiertrubel, um sich auch noch einen guten Vorsatz zu überlegen oder für die, die ihren Vorsatz schon in den Wind geschrieben haben), der Zeitpunkt rangiert in der Liste der Erfolgsfaktoren für ein Vorhaben sehr, sehr weit unten.

 

Jetzt kehrt der Alltag nach den Feierlichkeiten wieder ein. Warum also nicht einen schnöden Donnerstag nutzen, um eine richtige und passende Entscheidung zu treffen?!

 

Denn mit oder ohne Neujahrsvorsatz von vor gut zwei Wochen - wir spüren doch, was nicht so läuft wie wir es eigentlich gerne hätten.

 

Unzufrieden sein heißt ja vor allem erstmal, eine Vorstellung von Zufriedenheit zu haben. Wer keine Vorstellung davon hat, wie es sein soll, spürt auch keine Abweichung, also keine UNzufriedenheit. Ein Beispiel? Ich persönlich bin Musik- und TV-Anlagentechnisch sehr leicht zufrieden zu stellen. Manchmal höre ich Musik nur über mein iPhone, weil ich vergesse, das Gerät über Bluetooth mit einer Soundbar zu verbinden. Ich habe dabei dann nicht das Gefühl, dass mir etwas fehlt (an alle wahren Musiker: Entschuldigt bitte mein Klang-Banausentum!). Also keine Unzufriedenheit meinerseits an der Stelle. Jetzt überrascht es nicht, dass auch nicht ich es war, der das ausgeklügelte Soundbar- und Klangsystem in unserem Haus installiert hat. Das war mein Mann. Und der hat eine klare Vorstellung davon, wie es sein soll mit der Musik und der Technik: Möglichst state-of-the-Art und klangvergnüglich. Also hat er sich entschieden, dieses Soundsystem zu installieren, worüber er sich immer wieder sehr freuen kann (genau wie in den Momenten die Nachbarn). Außerdem belässt er es nicht dabei, sondern schaut immer wieder hin, ob noch alles läuft, wie es soll oder ob er etwas verbessern will. Regelmäßig trifft er dazu weitere Entscheidungen zu unserer Hard- und Software im Haus. Und ist damit sehr zufrieden. Was übrigens wiederum des Öfteren dazu führt, dass ich mein Gerät nicht verbunden kriege, weil ich bei seinen Erläuterungen zu den Änderungen nicht so richtig aufpasse. Aber das ist ja nicht so schlimm. Ich bin ja, wie gesagt, meist auch so zufrieden.

 

Aber zurück zu der Frage der Vorsätze, Vorhaben und Entscheidungen. Wenn äußere Zeitpunkte zu vernachlässigen sind (s. o.), dann ist die folgende Frage wichtig: „Wie lange möchtest Du Deine Unzufriedenheit noch behalten?“ oder „Wie viel Zeit willst Du Dir selbst noch für eine Entscheidung geben?“.

 

Abnehmen ist wohl einer der Dauerbrenner unter den guten Vorsätzen – zu Silvester oder jeder anderen Zeit im Jahr. Deshalb will ich das hier als Beispiel nutzen. Wenn ich Abnehmen zum Ziel habe, dann beruht das vermutlich auf irgendeiner Art von Unzufriedenheit mit meinem Körper oder Körpergefühl. Kennst Du auch Menschen, die ständig Diäten oder ihre Unzufriedenheit mit ihrem Bauchspeck hier oder ihrem Hintern da zum Thema machen? Ich will diese Menschen hier auf gar keinen Fall verurteilen. Zu gut weiß ich, dass ich meine eigenen Bereiche habe, zu denen ich mich wunderbar in meiner Unentschiedenheit suhlen kann. Mir liegt dann nur eben manchmal die Frage oben auf der Zunge: „Wie lange willst Du Deine Unzufriedenheit mit Deinem Körper noch behalten?“. Und ich persönlich finde die Antwort „Bis die Marzipankartoffeln aus dem Sortiment der Supermärkte verschwunden sind.“ z. B. wirklich sehr legitim.

 

Ich denke, jeder von uns spürt, wann es Zeit für eine Entscheidung ist. Oft höre ich auch, dass jemand noch nicht alle Informationen vorliegen hat, um eine Entscheidung zu treffen. Das ist auch legitim und wichtig. Dann allerdings heißt der erste Schritt hin zu einer Entscheidung: Informationen einholen… und dann auch wirklich: Entscheiden!

 

Zögern oder Aufschieben kostet Zeit, Unentschiedenheit kostet Zeit – unsere Lebenszeit. Unentschiedenheit ist auch eine Form der Entscheidung. Die Entscheidung, nicht zu handeln.

 

Unentschiedenheit entsteht auch aus Angst. Diese Angst hat meistens zwei Wurzeln: Entweder ist es die Angst, sich falsch zu entscheiden oder es ist die Angst vor der Veränderung.

 

Die Angst vor der falschen Entscheidung kennen wir oft sehr plakativ: Soll ich diesen Job machen oder nicht? Soll ich für die Familie umziehen und den Job aufgeben, den ich liebe? Soll ich diese Frau heiraten oder nicht? Sollen wir im Urlaub ans Meer fahren oder in die Berge? Oder - wie die Frau auf dem Foto: Soll ich ins Wasser gehen oder nicht?… Dabei entsteht die Angst vor der Entscheidung nur aufgrund unseres eigenen Urteils über mögliche Konsequenzen. Mich persönlich würden z. B. keine zehn Pferde ins tiefe Wasser an diesem Strand kriegen. Ich würde die Chance auf ein Schwimmen im Meer (was ich liebe) eintauschen gegen ein Planschen in den Wellen (auch nicht schlecht). Das rührt daher, dass ich keine Ahnung habe, ob ein Hai im Wasser sein könnte und wenn ja, ob er mich beißen würde. Und wenn er mich beißen würde, würde ich das auch für ziemlich dramatisch halten. Ganz anders reagiere ich allerdings auf Schilder wie "Achtung, freilaufender Hund". Das liegt daran, dass ich die Situation ganz anders bewerte, weniger dramatisch und mit deutlich mehr Wissen. Unsere Angst entsteht immer auch durch unsere eigenen Bewertungen und unsere gemachten Erfahrungen. Wenn es um Entscheidungen geht, verschärfen wir unser Urteil, in dem wir es zuspitzen auf Richtig oder Falsch, Schwarz oder Weiß, Leben oder Tod. Was wäre aber, wenn wir auch in anderen Kategorien denken würden? Zum Beispiel in Kategorien wie viel wir durch eine Entscheidung lernen können. Entscheidungen werden oft nur durch unser eigenes Urteil zu Fehlentscheidungen. Also, da meine ich jetzt die Job-Entscheidungen, die Ehen und die Urlaube. Ich persönlich halte die Hai-Entscheidung immer noch für sehr riskant (Hai-Forscher mögen sich bei mir melden und mit Sachverstand die Grauzonen aufzeigen!).

 

In der Beurteilung unserer Entscheidungen sind wir selbst oft die stärksten Kritiker. Wie wäre es also, uns selbst den Rücken zu stärken und uns zu versprechen, nicht am härtesten von Allen mit uns ins Gericht zu gehen, wenn etwas anders läuft als geplant? In dieser Haltung gibt es keine Fehlentscheidungen und der Blick wird frei für Entscheidungen, die wirklich zu uns selbst passen. Vielleicht können wir uns für Beides entscheiden? Zum Beispiel könnten wir über Möglichkeiten zum Abnehmen nachdenken und uns regelmäßig etwas Süßes gönnen. Oder beim Planschen das Meer genießen und die Haie vermeiden.

 

Unbenommen bringen Entscheidungen im Leben auch Veränderungen mit sich. Und Veränderungen machen uns Angst. Sie ziehen uns aus unserer Komfortzone, in der wir es uns so gemütlich eingerichtet haben. Hier ist alles so schön auf kurzfristig gute Gefühle ausgelegt, dass es gute Argumente braucht, sie zu verlassen. Fünf Kilo weniger zu wiegen ist dabei sicher kein besonders attraktives Argument für unser aller gefühlsgesteuertes Handeln. Das Ziel, mit mehr Leichtigkeit und Bewegungsfreude mit den Kindern unterwegs zu sein oder endlich wieder in die Lieblingsjeans zu passen und sich darin so richtig sauwohl zu fühlen ist da schon anziehender.

 

Es lohnt sich also hinzuschauen, was unsere wahren Beweggründe sind. Wie wollen wir uns fühlen? Und was an Gewohnheit und Bequemlichkeit sind wir bereit, dafür aufzugeben? Auch hier gilt, dass wir uns nicht gleich in Panik versetzen müssen, mit dem Gedanken, nie wieder (!) Schokolade essen zu können, wenn wir uns jetzt vornehmen abzunehmen. Und es gilt, dass wir uns selbst den Rücken stärken können, wenn wir doch mal einen ganzen Riegel essen. Damit werfen wir nicht gleich den ganzen Vorsatz über den Haufen.

 

Wenn wir Entscheidungen treffen, schaffen wir Veränderung. Das ist ein Privileg, das jedem von uns zur Verfügung steht. Veränderungen können Angst machen, aber Entscheidungen tun so gut. Sie ermöglichen uns zu Handeln und uns weiterzuentwickeln, unsere Erfahrung wächst und wir werden unserer Eigenverantwortung für unser Leben gerecht.

 

Das klingt hochtrabend ist aber (selbst in nur kleinen Mini-Schritten und –Entscheidungen) möglich.

 

Also, welche Entscheidung steht bei Dir heute an?

 

 

Wer weitere Anregungen zum Thema sucht, wird u. A. hier fündig :

  • Castillo, B. (2017). Episode #154 Apathy. The Life Coach School Podcast (oder auch andere Episoden, wie z. B. #132 oder #7)

 

Photo by Lubo Minar on Unsplash

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Martin (Donnerstag, 17 Januar 2019 21:53)

    Auch wenn Du Covey rauskramst... Recht hast Du!

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Erfahrungen & Bewertungen zu Katrin Hormann . Life Balance Coach