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Und jetzt etwa auch noch Besinnlichkeit?

 

Spüren Sie auch diese Sehnsucht? Ruhe und Besinnlichkeit würden Ihnen gut tun, richtig? Beides haben Sie im Alltag selten. Morgen ist der erste Advent und die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird noch größer. So gern würden wir eine Adventszeit genießen, in der wir gemütlich Tee trinken, Plätzchen backen, lesen und vorlesen und uns mit lieben Menschen und warmen Kerzenlicht umgeben. Stattdessen enthalten unsere Terminkalender im Dezember doppelt so viele Termine und wir konsumieren deutlich mehr als in allen anderen Monaten (plus zehn Prozent, online sogar plus fünfzig Prozent). Wir hetzen durch die winterliche Zeit und würden uns doch so gern etwas Ruhe gönnen. Schelten Sie sich nicht dafür. Sie sind auf der Suche nach diesem Weihnachtsgefühl nicht allein. Laut aktuellen Studien leiden sechs bis acht von zehn Menschen unter einer hohen Stressbelastung.

 

Wenn wir uns doch alle friedvolle und entspannende Weihnachten wünschen, warum gelingt uns das mehr schlecht als recht? Das liegt zu großen Teilen daran, dass wir Menschen sowohl Herden- als auch Gewohnheits-Tiere sind. Evolutionsbiologisch waren wir immer sicherer, das zu tun, was alle taten. Es empfahl sich nicht, beim Sammeln und Jagen einfach mal nicht mitzumachen. Zu groß war die Gefahr, sich dann von der Gruppe für die Nacht an den Rand der Höhle verbannt wiederzufinden und dem Säbelzahntiger zum Opfer zu fallen. So hetzen wir heute im Strom mit und bemerken nicht, dass das längst keine Frage von Leben oder Sterben mehr ist. Es ist unser evolutionäres Erbe.

 

Die Macht, die Gewohnheiten über uns haben, ist eine weitere Erklärung dafür, warum es uns schwer fällt, die Adventszeit anders zu begehen. Die Hetze und das Stöhnen unter dem Stress sind uns längst zur Gewohnheit geworden. Und Gewohnheiten sind sehr schwer zu verändern. Sie helfen uns im Alltag enorm. Sie sparen uns viel Gehirnkapazität. Wir müssen zum Beispiel über unsere morgendlichen Abläufe nicht lange nachdenken (aufstehen, duschen, anziehen, frühstücken, Zähne putzen, Schuhe anziehen, aus dem Haus gehen). Diese Abläufe funktionieren – oft im wahrsten Sinne – wie im Schlaf, weil wir sie zigmal so durchgeführt haben. Da hat sich in unserem Gehirn eine Autobahn in den Synapsen gebildet, auf der wir schnell und effizient, aber eben auch ziemlich monoton und im Strom unterwegs sein können. Überlegen Sie mal, das nächste Mal von Wiesbaden nach Frankfurt nicht über die A66 oder die A3 zu fahren. Da müssten Sie vermutlich nachdenken, wie Sie über die Landstraße oder sogar über Dorfstraßen und Feldwege zum Ziel kämen. So ähnlich können Sie sich unser „Autobahn“-Verhalten im Stress vorstellen. Da sagen Sie reflexartig auch der Einladung zur siebzehnten Weihnachtsfeier zu, kaufen für Jeden, den Sie kennen, Geschenke und gehen viel zu oft viel zu spät schlafen, weil Sie noch alles erledigen wollen. Unser Gehirn kann für diese Entscheidungen sehr effizient arbeiten. Aber bald sehnen Sie sich mit jedem Tag mehr nach Ruhe und Besinnlichkeit.

 

Was also tun? Säbelzahntiger sind ausgestorben und es droht keine Lebensgefahr mehr, sich von der Gruppe abzuheben. Sie können bedenkenlos eine Pause einlegen. Mehr noch, vielleicht ist die Gefahr durch den Stress, dem wir uns alle aussetzen, unser moderner Säbelzahntiger. Dann können Sie als Inspiration und Vorbild vorangehen und sich wirkliche Besinnlichkeit in Ihre Adventszeit holen.

 

Bleibt noch das Gewohnheitstier. Wie hält man das im Zaum? Das ist bereits in dem Moment leichter zu handhaben, in dem wir es bemerken und beobachten. Sie haben diesen Artikel bis hierhin gelesen und können Ihr eigenes Gewohnheitstier erkennen: Reflektieren Sie jetzt gerade einen kurzen Moment, wann Sie es ans Steuer lassen und über die Gewohnheitsautobahn brausen. Beaufsichtigen Sie Ihr Gewohnheitstier von nun an engmaschiger.

 

Für mehr Ruhe und Besinnlichkeit in Ihrem Advent dürfen Sie heute entscheiden, eine klitzekleine Kleinigkeit anders zu machen und damit ein kleines Saatkorn der Entspannung zu säen. Entscheiden Sie sich, einmal am Tag für zehn Minuten nicht das Handy zu checken, Nachrichten zu beantworten, Präsentationen zu bearbeiten, Mails zu lesen, die Spülmaschine auszuräumen, aufzuräumen, zu planen und zu tun. Wenn Sie das Saatkorn wachsen und gedeihen lassen wollen und wunderbare Gemütlichkeit, Entspannung und Zufriedenheit ernten wollen, empfehle ich Ihnen zehn Minuten nichts zu tun außer Tee zu trinken. Kaffee geht auch. Nehmen Sie sich zehn Minuten, in denen Sie einfach nur Ihr Lieblingsgetränk genießen. Lassen Sie Ihren Blick und Ihre Gedanken schweifen. Ihr Gehirn wird auf sämtliche To Do’s stoßen, die Sie noch auf keiner Liste haben und es wird Ihnen einfallen, dass auch Tante Heidi noch Geburtstag hat. Das ist ok. Nehmen Sie diese Gedanken zur Kenntnis und konzentrieren Sie sich dann wieder auf die Wärme Ihres Getränks. Nehmen Sie den ersten Schluck und nehmen Sie wahr wie wunderbar es schmeckt. Herrlich! Und dann sitzen Sie da mal einen Moment und langweilen sich vielleicht sogar ein bisschen. Den meisten von uns leistungsorientierten Machern fällt das unheimlich schwer. Schaffen Sie zehn Minuten? Probieren Sie es mal aus. Fünf Minuten sind auch wunderbar. Fangen Sie lieber klein an, damit kein Frust aufkommt, dass es nicht geklappt hat. Ein Anfang muss nicht der kuschelige Nachmittag auf dem Sofa sein. Das ist vielleicht zu viel gewollt. Ein Anfang können fünf Minuten sein, heute, morgen und dann vielleicht an den meisten Tagen Ihrer Adventszeit. Sie werden den Unterschied erleben. Sie haben sich ein Stück Besinnlichkeit in Ihren Advent geholt.

 

Sie haben Fragen oder stolpern auf dem Weg zum Tee-Genuss?

Für die Dauer dieser Advent-Serie beantworte ich Ihre Frage persönlich.

 

Und nächste Woche lesen Sie, wie Sie sich mehr persönlichen Ausgleich schenken.

 

 

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