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Wünschen kann man sich Alles...

 

… aber ob sich damit das eigentliche Bedürfnis erfüllt, ist eine nächste Frage. Wie viele Wunschzettel sind Ihnen in diesem Jahr schon begegnet? Ich vermute, ungefähr so viele wie Sie Kinder in Ihrem näheren Umfeld haben, richtig?

 

Haben Sie selbst auch einen Wunschzettel geschrieben? Ich vermute, eher nicht, auch richtig? Und wenn doch, dann vermutlich so einen erwachsenen, überlegten, realistischen, oder? Das sind ganz andere Wunschzettel als Kinder sie schreiben oder basteln. Können Sie sich noch an dieses Gefühl erinnern, wie es als Kind war, alles aufzuschreiben oder aufzukleben, was das Herz hüpfen lässt? Dieses Gefühl der Chancen und Möglichkeiten, des Gefragt-Werdens und Wünschen-Dürfens. Diese rätselhafte Magie, die zwischen dem Wünsche-Äußern und der Wunscherfüllung stattfand. Wo ging er hin, der Wunschzettel? Wer entschied, welcher Wunsch erfüllt wird und wie kamen die Geschenke dann tatsächlich unter den Baum? Lauter Geheimnisse, die diesen ganzen Wunschzettel-Ablauf umgaben, die vielleicht erst so richtig frei machten im Wünschen.

 

Uns Erwachsenen stellt sich dann in der Vorweihnachtszeit oft die Frage: Welche Wünsche erfüllen wir?

Dazu habe ich heute eine Anregung zum Weiterdenken für Sie.

 

Ich möchte Sie einladen, dieses Jahr ein oder zwei Ebenen tiefer in die Wunschzettel einzusteigen. Denn diese Listen sind wie eine Spur zu persönlichen Bedürfnissen. Alle Menschen haben Bedürfnisse. Alle Menschen haben sogar die gleichen Bedürfnisse – nur in unterschiedlicher Ausprägung. Wir sprechen selten über sie und haben schnell den Eindruck, sie nicht haben zu dürfen. Vor allem meinen wir, dass unsere Bedürfnisse oft im Konflikt zueinander stehen. Dabei stehen nie die eigentlichen Bedürfnisse im Konflikt zueinander, sondern lediglich die Strategien, die wir wählen, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen. Unsere Bedürfnisse sind ein sehr maßgeblicher Treiber unseres Handelns. Und je nachdem, wie gut unsere Bedürfnisse erfüllt sind, fühlen wir uns zufrieden oder unzufrieden. Es lohnt sich also sehr, sich mit den wirklichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen.

 

Das ist sehr theoretisch. Vielleicht ein Weihnachtsbeispiel zum Umgang mit dieser Theorie: Sie finden auf einer Liste den Wunsch nach einem kitschigen Sammel-Objekt, das derzeit im Freundeskreis des wünschenden Kindes – in diesem Fall ein Mädchen – im Trend liegt. Da können Sie natürlich direkt eine Entscheidung fällen, ob Sie diesen Wunsch erfüllen wollen oder nicht. Sie können ihn aber auch als ersten Hinweis auf ein dahinter liegendes Bedürfnis betrachten und tiefer schauen. Was genau verbindet das Mädchen mit der Erfüllung dieses Wunsches? Will sie mit diesen Sammel-Figuren spielen, sie mit Stimmen zum Leben erwecken und Szenen nachspielen? Dann liegt ihrem Wunsch vielleicht das Bedürfnis nach Spiel und Leichtigkeit zugrunde. Oder will sie die Figuren vielleicht farblich sortiert und kategorisiert in eine Sammlung einfügen, die sie gerne anordnet? Dann erfüllt dieser Wunsch vielleicht eher das Bedürfnis nach Ordnung und Schönheit. Oder will die Wunsch-Schreiberin mit ihren Freundinnen Figuren tauschen und sich in der Gruppe mit den Sammel-Objekten beschäftigen? Hier verbirgt sich oft das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Gemeinschaft.

 

Der gleiche Wunsch kann also aus völlig unterschiedlichen Bedürfnissen heraus entstehen. Das können wir in unsere Haltung und unsere Entscheidungen bewusst einfließen lassen. Diese Überlegung kann uns auch helfen, das wirkliche Bedürfnis, mit einer Strategie – also einem Geschenk – zu befriedigen, auch wenn wir dem aufgeschriebenen Wunsch nicht nachkommen wollen. Im Weihnachtsbeispiel könnte das ein Besuch mit der ganzen Gruppe der Freundinnen im Zoo sein (Gemeinschaft), ein Regal-Bord zum Präsentieren der Sammel-Objekte (Ordnung), ein gemeinsam gespieltes Stündchen mit eigener Stimme für eine Figur (Spiel).

 

So viel zum Lesen von Wunschzetteln.

 

Zurück zu der Frage, ob Sie selbst einen geschrieben haben in diesem Jahr. Holen Sie es eventuell einfach nach. Und dann betrachten Sie Ihre Wünsche einmal ganz genau. Was liegt Ihnen zugrunde? Welche Sehnsucht nach einem unerfüllten Bedürfnis blitzt durch? Fragen Sie sich immer weiter „Was genau verbinde ich damit?“, „Was noch?“ und „Was noch weiter?“. So kommen Sie Ihren Bedürfnissen auf die Schliche, die wir oft so tief verbuddeln und doch so deutlich als erfüllt oder unerfüllt in uns spüren.

 

Laut M. Rosenberg und dem von ihm entwickelten Konzept der gewaltfreien Kommunikation gibt es über die körperlichen Bedürfnisse hinaus vier grundsätzliche Bedürfnisse, unter denen sich alle weiteren zusammenfassen lassen:

  1. Verbunden sein
  2. Selbstbestimmt sein
  3. Entspannt sein
  4. Sicherheit
Weiter untergliedern lassen diese vier Bedürfnisse in: 
  • Dazugehören
  • Wertschätzung
  • Austausch
  • Beitragen
  • Entwicklung
  • Wirksam sein
  • Abwechslung
  • Schönheit
  • Leichtigkeit
  • Balance
  • Gerechtigkeit
  • Unterstützung.

 

Lassen Sie die Begriffe einen Moment auf sich wirken. Vielleicht wollen Sie sie auch auf Zettel schreiben und vor sich hinlegen. Sortieren Sie sie für sich. Wohin zieht es Sie derzeit? Haben Sie die Armbanduhr auf Ihrem Wunschzettel aus einem Bedürfnis nach Ästhetik und Schönheit aufgeschrieben oder wünschen Sie sie sich als Belohnung und Wertschätzung eines geleisteten Beitrags? Meistens haben wir mehrere Bedürfnisse gleichzeitig. Das ist total ok. Und es tut gut zu schauen, welches gerade jetzt am wichtigsten ist. Mit dieser Erkenntnis eröffnen sich viel mehr und viel wahrere Möglichkeiten der Erfüllung.

 

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren dritten Advent und

wohltuendes Erkennen beim Erkunden Ihrer inneren Bedürfnisse.

 

 

 

 

Sie haben Fragen oder stolpern auf dem Weg zu Ihrer Zufriedenheit? Für die Dauer dieser Advent-Serie beantworte ich Ihre Frage persönlich.

 

 

 

Und nächste Woche lesen Sie, wie Sie aus Ihren Wünschen einen verlässlichen Plan machen. Einen Plan, der zu Ihnen passt und mit dem Sie selbstbestimmt ins neue Jahr starten.

 

 

 

Wer die ersten beiden Impulse noch einmal nachlesen möchte, wird hier fündig: Am ersten Advent ging es um Besinnlichkeit und Innehalten. Letzten Samstag um Ausgleich und Gemütlichkeit.

 

 

Photo by Valentin Petkov on Unsplash

 

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