09.8.2022

Das Stepping Stones Konzept | Stressmanagement

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… oder die Frage, wie Du über den Wildbach kommst, ohne reinzufallen. Oder wie Du eine gute Präsentation hältst, ohne den Faden zu verlieren. Oder wie Du das Ziel erreichst, das Du Dir vorgenommen hast. Darum geht es heute.


Aus dem Soft Skills Training

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich mir das Bild mit den Stepping Stones, also den Trittsteinen, für das Halten von Präsentationen selbst ausgedacht habe. Möglicherweise gibt es eine schlaue Managerin oder eine Trainer-Koryphäe, von der/dem ich das irgendwann mal gelesen habe. Ganz sicher weiß ich, dass ich irgendwann angefangen habe, dieses Bild in Soft Skills Trainings zu nutzen. Wenn es darum geht, zu einem Thema fundiert und möglichst frei zu sprechen, funktioniert es immer wieder.


Ein einfaches Prinzip: Denke „Wildbach!“

Das Prinzip ist für das Präsentieren ganz einfach anzuwenden: Du stellst Dir vor, der Inhalt Deiner Rede ist über einen breiten Wildbach verteilt. Dein Ziel ist es, für Deine Zuhörer ans andere Ufer zu gelangen und dabei alle wichtigen Aspekte zu berücksichtigen, ohne Dich irgendwo zu verheddern oder reinzufallen. Dafür machst Du es genauso, wie Du es machen würdest, um einen echten Wildbach zu überqueren.


Ziel, wichtigste Punkte und nasse Füße

Du schaust Dir gut an, wo Du auf der anderen Seite des Baches ankommen möchtest (was ist das Ziel Deiner Rede?). Dann schaust Du, wo eine geeignete Reihe großer Trittsteine im Wasser liegen, die Du mit Deinen Schritten erreichen kannst (die wichtigsten Punkte Deiner Rede; der rote Faden). Diese großen Trittsteine peilst Du gründlich an und planst sie fest ein. Dort stehst Du sicher und kannst wacklige Schritte ausgleichen (Du bist gut vorbereitet und hast vielleicht sogar konkrete Formulierungen überlegt). Wenn Du zwischendurch über kleinere Steine hoppst oder mit dem Fuß auch mal ins Wasser rutscht (Du verhaspelst Dich oder bringst einen Unterpunkt nicht klar rüber), dann macht das nichts. Eigentlich gehört es sogar zu einer Wildbach-Überquerung dazu. So auch bei Deinem Vortrag. Wenn Du das Ziel Deiner Rede für Dich klar angepeilt hast und die wichtigsten Aspekte stark und sicher vorgetragen hast, dann sind kleine Versprecher oder thematische Wackler bei Nebenaspekten das menschliche Salz in der Suppe.


Konkrete Vorbereitung Deiner Notizen

Du kannst dieses Bild auch für die ganz konkrete Vorbereitung nutzen, indem Du zum Beispiel Deinen Text, den Du sprechen möchtest, gedanklich durchgehst und ihn immer weiter auf die Kernsätze (Deine Stepping Stones) fokussierst. Die Stichpunkte, die Du unbedingt thematisieren möchtest, schreibst Du Dir ausformuliert auf. Dann schaust Du, ob Du sie nach einem Probedurchgang noch reduzierter notieren kannst. So kannst Du problemlos auch durch längere Vorträge kommen ohne die Sorge, Dich in eine Sackgasse zu reden, nicht mehr weiterzuwissen oder etwas Wichtiges zu vergessen.


Drei Erkenntnisse zum Konzept dank meines Achtjährigen

Wie komme ich jetzt darauf, Dir von „meinem“ Stepping Stones Konzept zu erzählen? Nun, ich komme gerade aus einem fantastischen Urlaub in einer Flusshütte in der Lombardei. Dort bin ich jeden Tag mit meinem Achtjährigen über die Steine gehüpft. Dabei sind mir drei Dinge zum Steine-Hüpfen aufgefallen:


1. Stepping Stones geben Orientierung, Sicherheit und Umsetzungsstärke

Die richtig coolen Projekte, die Vorhaben, die mir wirklich wichtig sind, die gehe ich nach dem gleichen Prinzip an – Ziel anpeilen, Trittsteine suchen (Du kannst sie auch analog zum Projektmanagement „Meilensteine“ nennen) und dann los, ohne mich zu sehr im operativen Kleinkram zu verlieren. Der ergibt sich sowieso von selbst. So arbeite ich bis heute an meinem Business, so habe ich mein Buch geschrieben und so orientiere ich mich auch zwischendurch immer wieder, wenn ich mal vergesse, was ich mir so im Großen und Ganzen vorgenommen habe (passiert mir gerne freitags in meiner Admin-Stunde 😊).


2. Die Frage nach dem EINEN nächsten Schritt bringen Dich voran

Du kannst das Stepping Stones Konzept für jedes Vorhaben nutzen, nicht nur für tolle Vorträge. Meine Mentorin Karin Rozell hat mir beigebracht, mich auf „the one next step“ zu konzentrieren, wenn die Dinge unübersichtlich oder schwierig werden. Das ist immer wieder sehr nützlich. Wenn Du grob weißt, wo Du hinwillst (weniger Stress, mehr Fitness, endlich den Flur streichen, die Versicherung wechseln, …), aber vor lauter To-Do`s dazu gar nicht weißt, wo Du anfangen sollst, dann konzentriere Dich auf den einen, nächsten Schritt/ den einen Trittstein, der Dich jetzt in die richtige Richtung bringt (JETZT zehn Minuten Pause machen, die Laufschuhe aus dem Keller holen, Dich für eine Wandfarbe entscheiden, die Versicherungsunterlagen heraussuchen, …).


3. Mit Leichtigkeit geht's eleganter und macht mehr Spaß

Je mehr Spaß und Leichtigkeit Du aus Deiner eigenen Sicherheit der Trittsteine schöpfen kannst, desto besser kommst Du über den Fluss. Mein Sohn hat mir das in den letzten Wochen immer wieder vorgemacht. Im Gegensatz zu ihm, neigte ich dazu, im Fluss auf die ersten Steine zu springen, mich ständig umzuschauen, alle Gefahrenquellen (besonders starke Strömung, glitschige Steine, spitze Steine, …) zu bemerken und damit Leichtigkeit einzubüßen und Wackeligkeit zu ernten. Kein Fokus, kein Flow. Er hingegen startete regelmäßig mit einem: „Komm, Mama, zur tiefen Stelle dahinten, zum Baden!“ und hüpfte los. Bei ihm sah es ganz leicht aus, von Stein zu Stein. Wenn er es mal nicht bis zum nächsten Stein schaffte, platschte er mit einem Fuß ins Wasser, wenn dann die Steine, auf die er dabei trat, spitz waren, dann fing er sein Gewicht mit einer Hand auf. Manchmal tat er sich weh. In dem kalten Wasser war das nach zwei Schritten schon vergessen. Zwei Mal fiel er rein – und hat sich kaputtgelacht. Immer war er viel schneller, viel sicherer und viel eleganter als ich.


Diese erinnerte Erkenntnis der letzten zwei Wochen möchte ich mit Dir teilen.

Welches Vorhaben ist Dir in diesem Sommer wichtig? Und wo liegen die wichtigen Stepping Stones dafür? Wenn Du das überlegt hast, springe auf den ersten Stein und nimm eine Portion Spaß und Leichtigkeit mit. Nasse Füße sind vorprogrammiert … und so erfrischend.


Und hey – wenn du Unterstützung gebrauchen kannst, Deine Trittsteine zu identifizieren oder die Leichtigkeit zu finden, dann schreibe mir unbedingt. Ich freue mich darauf, von dir zu hören!

Ich lebe und arbeite im schönen Idstein bei Wiesbaden und Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet. Die Technik macht es möglich, dass wir räumliche Distanz im Online Coaching überbrücken können.


Pic privat


Tags

Balance, Resilienz, Stressmanagement


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