25.6.2024

Ist das ansteckend? | Mentale Fitness

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Du kennst das sicher auch: Eigentlich war gerade alles soweit in Ordnung - und dann wieder dieser Blick von Frau Müller. Da könntest Du direkt an die Decke gehen. Oder gestern wieder einmal, als Du Dich gerade auf den Feierabend freuen wolltest und nur ein Satz von Deinem Schatz gereicht hat, um Dir die Laune zu verhageln. Oder auch diese Tage, an denen Dir erst eine blöde Bemerkung in der Bahn auffällt und als nächstes das egoistische Gedrängel am Bahnsteig, dann der unhöfliche Kollege, der das Meeting einfach ohne Dich angefangen hat, und irgendwann die Kritik an einer Deiner Zulieferungen, die das Fass für den Tag einfach zum Überlaufen bringt.


Der schlechte-Laune-Virus

Manchmal greift die schlechte Laune wie ein Virus um sich. Ein Virus, der ansteckender scheint als Magen-Darm im Kindergarten. Da wir wissen, dass schlechte Laune kein Virus ist, machen wir die Umstände verantwortlich (heute war die Welt gegen mich), oder die Anderen (nur Idioten unterwegs) oder vielleicht auch uns selbst (wie immer zu doof).

Was aber steckt wirklich hinter der Ansteckungsgefahr von schlechter Laune? Erst einmal: Sie ist eine reale Gefahr. Du bildest es Dir nicht ein, dass Du Dich an der schlechten Laune anderer anstecken kannst. Und es ist auch real, dass Du die schlechte Laune wunderbar weiterverteilen kannst. - Nur selten führt die Weitergabe der schlechten Laune übrigens dazu, dass Du sie los bist. Im Gegenteil, durch die Verpestung der Gesamtstimmung erhält Deine eigene Stimmung einen weiteren Dämpfer.


Infektionswege

Wir Menschen haben feine Antennen für unsere Mitmenschen. Ja, auch der Eigenbrötler aus dem dritten Stock hat Antennen für Deine Stimmung. Wie es neurologisch genau funktioniert, dass wir mit den Gefühlen anderer mitschwingen, wird noch diskutiert. Wovon ich überzeugt bin, ist dass wir uns in schlechter Stimmung in einem Zustand der Selbst-Sabotage befinden. Wir lassen unseren inneren, kritischen und verurteilenden Stimmen freien Lauf. Unsere innere Verurteilung (der Situation, der anderen oder von uns selbst) setzt negative Gedankenspiralen in Gang. Die führen dazu, dass unsere Stimmung leidet. Diese verurteilende Haltung und die negativen Gedanken, nehmen wir bei anderen wahr. Und dummerweise triggert diese Wahrnehmung nur all zu leicht unsere eigene Be- und Verurteilung, womit die Abwärts-Spirale der Selbst-Sabotage auch in uns ihren Lauf nimmt. Wir sind angesteckt.


Ein persönliches Beispiel

Mein Mann und ich haben unterschiedliche Vorstellungen von Oberflächen-Reinheit. Mich stören Krümel auf dem Tresen in der Küche (die mein Mann wunderbar ignorieren kann), ihn hingegen stören Krümel vor allem auf dem Fußboden (wo ich sie wunderbar ausblenden kann). Wir bemühen uns beide, den Ansprüchen des jeweils anderen gerecht zu werden – wenn wir gut drauf sind. Wenn wir nicht gut drauf sind, lösen Krümel neben der Kaffeemaschine bei mir eine Verurteilung der Situation und meines Mannes aus, die wiederum Gedanken wie „Ich bin die Einzige, die weiß, wie man den Tresen abwischt!“ auslösen (die Perfektionistin und die Kontroll-Tante in mir). Aus dieser Haltung heraus, brauche ich überhaupt nichts zu sagen, da reicht ein (innerlich sabotierter) Blick von mir und mein Mann ist angesteckt. Sein eigener innerer Richter springt an und schickt seine eigenen, inneren Miesmacher auf das Feld. Wenn dann noch unsere 13-jährige Tochter am Spielfeld vorbeikommt, passiert es ruckzuck, dass wir alle drei mit dem schlechte-Laune-Virus angesteckt sind … wenn wir nicht aufpassen.


Immun gegen schlechte Laune

Zum Glück geht das auch anders. Wir können eine Ansteckung an schlechter Laune verhindern, indem wir uns bewusst machen, was da passiert. Für die Abwehr einer grassierenden Erkältung brauchen wir ein starkes Immunsystem. Für die Abwehr grassierender schlechter Laune brauchen wir mentale Stärke. Wenn wir unsere Antennen einschalten für das, was gerade läuft („Obacht, hier grassiert schlechte Laune, ich bin im Begriff, mich anzustecken!“), dann können wir uns entscheiden, der Verurteilung in uns nicht das Spielfeld zu überlassen. Wir können unseren Fokus bewusst auf etwas Positives lenken und damit auch unsere Gedanken-Muster auf andere Ideen bringen. Im Ergebnis der von uns gedachten Gedanken fühlen wir uns anders und können unsere gute Laune behalten. Ist das nicht toll? Es braucht Übung, das gebe ich zu. Und es gelingt nicht jedes Mal. Aber es ist simpler, als eine Erkältung abzuwehren.


Mental fit und gut gelaunt

Mental fit können wir sogar noch mehr, als miese Laune abzuwehren. Wir können den Spieß sogar umdrehen und unser Umfeld mit guter Laune anstecken! Versuch mal, andere mit Gesundheit anzustecken – da bleibt doch jeder recht auf sich selbst gestellt.

Mental und in Bezug auf unsere Stimmung ist Ansteckung mit Positivem möglich! Probiere es gleich mal aus: Nicke Frau Müller freundlich zu, wenn sie Dir auf dem Flur begegnet. Frage Deinen Schatz ehrlich interessiert, was genau sie/ er mit diesem Satz zum Feierabend gemeint hat und gehe davon aus, dass er nicht gegen Dich gerichtet war. Oder teste doch einmal, wie vielen Menschen Du unterwegs in der Bahn oder auf der Straße ein Lächeln ins Gesicht zaubern kannst, indem Du sie freundlich anlächelst.

Wir verstehen uns hier bitte nicht falsch. Es geht nicht um ein naives, Probleme-ignorierendes Happy-go-lucky. Es geht um die bewusste Entscheidung:

Wie möchtest Du Dir selbst, der Welt und Deinen Mitmenschen begegnen? Aus einer positiven Haltung heraus oder aus einer negativen.


Nebeneffekt: Länger leben

Und weißt Du, was wirklich verrückt ist? Wenn es Dir gelingt, die Welt öfter aus einer positiven Haltung heraus zu betrachten, als aus einer negativen, dann stärkst Du damit sogar Dein Immunsystem für die Abwehr von Erkältungen, Du senkst das Niveau der Stress-Hormone in Deinem Blut und damit Deinen Blutdruck, Du schläfst besser, verringerst Dein Risiko, an Diabetes zu erkranken oder einen Schlaganfall zu erleiden. Tatsächlich haben Studien ergeben, dass Du mit einer öfter positiven als negativen Haltung Deine Lebenserwartung erhöhst. *


Länger leben und dabei öfter gute Laune haben!

Mit diesem Gedanken würde ich Dich heute gerne anstecken.


Und hey – wenn Du wissen möchtest, wie Du das konkret hinkriegst, dann schreibe mir einfach. Ich freue mich immer, von dir zu hören!

Wenn Du direkt mehr über den mindfit club wissen möchtest, in dem wir in kleinen Gruppen unsere mentalen Muskeln trainieren, um immer öfter schlechter Stimmung ausweichen zu können und positive Stimmung genießen, dann findest Du die Warteliste für die nächste mindfit club Runde hier >> klick!

Ich lebe und arbeite im schönen Idstein bei Wiesbaden und Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet. Die Technik macht es möglich, dass wir räumliche Distanz im Online-Coaching überbrücken können.

* Shirzad Chamine: Positive Intelligence, Why Only 20% of Teams and Individuals Achieve Their True Potential And How You Can Achieve Yours, Greenleaf Book Group Press, Austin, TX,  2016.

Pic by cdc-sSVSWMa035 on Unsplash


Tags

mentale Fitness, Stressmanagement


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