10.4.2021

Dankbar?! Wofür denn bitte?

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Hast Du beschlossen, jetzt endlich etwas gegen den Stress zu unternehmen? Reicht es Dir und Du willst das so alles nicht mehr haben? Schluss jetzt! Bevor Dich der Stress in die Knie zwingt, unternimmst Du jetzt was! Sehr gut, das ist ein hervorragender Entschluss!


Was musst Du dafür machen?

Du bist ein Macher, stimmt’s? Du packst die Dinge an und überlässt sie nicht dem Zufall. Nicht umsonst bist Du in Deinem Leben so weit gekommen. Und jetzt bist Du bereit für mehr Ausgleich und Entspannung und fragst Dich vielleicht: „Wie mache ich das?“, „Was muss ich da jetzt tun?“.

Es kann schwierig sein, einen kleinen neuen Abzweig zu entdecken bei der Geschwindigkeit, mit der Du derzeit das Rad des Lebens drehst. Wie auf der Autobahn. Bei 180 km/h nehmen wir die kleinen Feldwege rechts und links kaum wahr, geschweige denn hätten wir Zeit, uns zu überlegen, wie wir auf so einen Feldweg abfahren könnten, bevor er schon an uns vorbeigeflogen ist. Das heißt, Du möchtest vielleicht gern etwas ändern, aber Du hast keine Zeit und Ruhe, um Dir zu überlegen, was Du gern angehen würdest. Bevor Du jetzt bei voller Geschwindigkeit anfängst, alternative Routen im Navi einzugeben, möchte ich Deine Überlegungen heute gerne in eine andere Richtung lenken. Eine Richtung, die als Einstiegspunkt in ein stressfreieres Leben viel wertvoller ist! Und eine Richtung, für die Du erst einmal gar nichts machen musst. Im Gegenteil.


Nicht immer machen

„Hä?“, wirst Du vielleicht denken: „Wenn ich nichts anders mache, wird sich auch nichts ändern!“. Diese reflexartige Einschätzung ist für viele von uns Machern mit unserer Can-Do-Attitude, unserem Input-Output-Verständnis und unserer großen Eigenverantwortung ganz logisch. Ich kann diese Perspektive aus meiner betriebswirtschaftlichen Prägung und Erfahrung heraus auch wunderbar nachvollziehen und wenn ich nicht aufpasse, direkt mitgehen. Nur, weißt Du was? Damit bürden wir uns auch ganz schön viel auf. Immer alle Umstände nach unseren Wünschen beeinflussen zu wollen ist einfach zu anstrengend. Besonders auf der Suche nach Entspannung und Ausgleich ist dieser Weg nicht zu empfehlen.


Haltung ist der Anfang

Wenn Du etwas ändern möchtest – und dazu kann ich nur raten, wenn Du spürst, dass Dir der Ausgleich fehlt! – dann empfehle ich Dir, bei diesem Macher-Reflex anzufangen. Beginne doch am wirklichen Anfang, um Dir mehr Entspannung ins Leben zu holen. Der Anfang ist Deine Haltung, Deine Einstellung. Wenn Du entspannter unterwegs sein möchtest, stell Dir vor, wie Du Dich im Auto nicht noch weiter vorlehnst und angestrengt versuchst, mit purer Willenskraft, fast fahrlässiger Geschwindigkeit und viel PS an Dein Ziel zu kommen. Stattdessen, stell Dir vor, wie Du Dich etwas zurücklehnst und den Fuß vom Gas nimmst, wie Du das Radio anstellst und die Fahrt genießt.


Dankbarkeit ausprobieren

Hast Du dieses Bild von Dir im Kopf? Wie Du gelassen durch die Landschaft cruised und den Moment genießt? Gut, denn jetzt will ich Dir noch etwas Anderes, ganz Verrücktes vorschlagen: Dankbarkeit.

Immer wieder bedauere ich, dass dieser Begriff und diese Haltung in unserer Leistungsgesellschaft so sperrig daher kommt, dass ich mich verpflichtet sehe, ihn lange einzuleiten, um der Dankbarkeit damit überhaupt erst eine Bühne zu bereiten. Wenn Du bis hier gelesen hast, bleib dran. Jetzt kommt der Haupt-Act!


Dankbarkeit und Selbstwirksamkeit ergänzen sich

Um beruflich erfolgreich zu sein, sind wir es gewohnt, in den Fokus zu rücken, was wir alles beitragen. Zu wissen, was man kann, bringt einen vorwärts. Ich bin auch ein großer Fan davon, die eigenen Ressourcen und Stärken gut zu kennen und mit ihnen zu arbeiten. (Dazu liest Du zum Beispiel hier mehr.) Das will ich nicht schmälern. Und doch gibt es natürlich immer auch Faktoren außerhalb unseres Tuns, die zu unserem Erfolg und unserem bisherigen Glück beigetragen haben.

  • Deinen Ehepartner hast Du vielleicht aktiv gesucht – aber ja nicht eigenhändig gebacken. Sie/ er ist ohne Dein Zutun in diese Welt gekommen.
  • Die letzte Beförderung hast Du Dir mit dem erfolgreichen Projektabschluss wirklich verdient – aber dass dann auch noch die passende Stelle frei wurde und genau Deine Kompetenzen in der Führungsmannschaft gefragt wurden, lag außerhalb Deines direkten Einflussbereichs.
  • Keine Frage, wo Du im Leben stehst, hat viel mit Deinem eigenen Handeln und Deinen vergangenen Entscheidungen zu tun. Dass wir das Glück hatten, heute und in Europa geboren zu sein, hat nichts mit unseren eigenen Entscheidungen zu tun.

Als Coach kann ich die Bedeutung der Selbstwirksamkeit nicht hoch genug einstufen. Als Fachberaterin für Burnout-Prophylaxe ergänze ich diese hohe Einstufung um die Dankbarkeit für das, was uns Gutes umgibt.


Dankbarkeit üben

Dankbarkeit kann anfangs schwer fallen. Schnell kommt der Macher in uns durch, der unseren eigenen Einfluss überschätzt. Manchmal fällt Dankbarkeit auch schwer, weil einem einfach alles gegen den Strich geht oder uns schon lange nicht mehr nach Lachen zu Mute war.

Dann empfehle ich, Dankbarkeit als Muskel zu betrachten, den man trainieren kann. Dankbarkeit ist Übungssache. Du darfst klein anfangen (und Dich erinnern, dass Du ja nicht direkt ins Tun kommen wolltest). Du kannst damit beginnen, Dir abends in den drei Minuten des Zähneputzens bewusst zu überlegen, wofür Du an diesem Tag dankbar sein könntest. „Pfff, dankbar… my ass!“, könntest Du im ersten Anlauf denken: „Bei dem ganzen Stress im Job und der Tatsache, dass ich schon wieder abends nur noch auf’s Sofa gefallen bin und mich von Netflix berieseln lassen habe, kann ich ja nicht dankbar sein. Ich will ja nicht, dass es so bleibt. Ich will das sich was ändert!“. Ganz besonders dann empfehle ich Dir, wirklich ganz klein zu beginnen. Kostet ja nichts – noch nicht mal Deine Zeit, die nutzt Du gerade zum Zähneputzen. Vielleicht könntest Du ausprobieren, etwas Dankbarkeit zu fühlen

  • für die schöne Dusche heute Morgen?
  • Für das warme Haus bei den kalten Temperaturen draußen?
  • Oder vielleicht auch für die Marmelade auf dem Brot,
  • die Nachricht Deiner Freundin
  • oder die Zulieferung zu Deinem Reporting.
  • ...

Es ist egal. Probiere es aus – an den meisten Tagen abends, zwei Wochen lang. Und dann schau mal, ob Du Dich etwas besser orientiert fühlst für den Weg zu mehr Entspannung!


Dankbarkeit ist ein Schritt zur Entspannung

Dankbarkeit verbindet uns mit dem, was uns umgibt und was unser Leben beeinflusst. Sie lässt uns spüren, dass wir nicht alleine sind, dass wir nicht alleine „kämpfen“. Dankbarkeit fördert wissenschaftlich erwiesen die Zufriedenheit und lässt uns glücklicher sein. Auf dem Weg raus aus dem Stress nimmt sie die Last von den Schultern, immer etwas tun zu müssen. Ein Teil des Tricks für ein gelasseneres Leben lautet:

Lass mal gut sein und genieße, was ist!


Herzlichst,

Deine Katrin


Und hey – dazu gibt es natürlich viele wunderbare Übungen und Methoden. Schreibe mir einfach eine Mail und wir sprechen, was Dir jetzt gerade helfen würde.


pic by Lukasz Rawa on Unsplash


Tags

anfangen, Dankbarkeit, Selbstwirksamkeit, Stress abbauen, Stressmanagement


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