23.11.2020

Jetzt Kaffee!

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Kennst Du das? Du sehnst Dich so danach, mal eine Pause machen zu können, mal einen Moment für Dich zu haben, in dem niemand etwas von Dir will? Und dann setzt Du Dich irgendwann vielleicht wirklich mal mit einem Kaffee auf den Balkon: Kaum berührt Dein Hintern den Stuhl, fällt Dir ein, dass Du den Steuerberater noch anrufen solltest, das Auto in die Inspektion muss und die Teamleiterin morgen Geburtstag hat. Und das war es dann mit der Entspannung. Stimmt’s? 

So geht es sehr Vielen. Meine Klienten kennen dieses Problem alle und ich tappe auch selbst immer wieder mal in die Falle. Es ist nur zu menschlich – aber schön ist es trotzdem nicht. Zumal eine unerfüllte Sehnsucht nach Pause und Regeneration dauerhaft wirklich gefährlich wird. Was passiert denn da also, wenn wir keine Entspannung finden, selbst wenn wir vielleicht sogar ein paar Minuten freigeschaufelt haben? 

Schuld ist unser hochleistungsfähiges Gehirn. Beziehungsweise noch konkreter: Schuld ist die Tatsache, dass wir unser hochleistungsfähiges Gehirn die Show rocken lassen. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, uns vor Gefahren zu warnen. Deshalb ist es unheimlich gut darin, die Vergangenheit zu evaluieren und darin Fehler zu analysieren. Außerdem kann es unheimlich gute Szenarien bauen und Zukünftiges antizipieren. Das ist super. Und für Vieles in unserem Leben sind das auch sehr nützliche Fähigkeiten. Wenn wir allerdings ständig in unserem Kopf die Filme laufen lassen, was gestern und vor zehn Jahren schief gelaufen ist oder was die Zukunft alles bringen könnte, dann ist das auch einfach ziemlich viel. Es versetzt unseren Körper in Alarmbereitschaft und wir sind angespannt. Entspanntes Kaffeetrinken in der Sonne – Fehlanzeige! 

Zum Glück sind wir unserem Gehirn nicht machtlos ausgeliefert. Diese hochkomplexe Intelligenz unseres Verstandes braucht Steuerung – sonst macht sie, was sie für richtig hält. Oftmals ist das dann ein besonders intensives Vorausschauen, was alles passieren wird und passieren könnte, zig Worst-Case-Szenarien und die Wiederholung des schlecht gelaufenen Meetings gestern. 

Die erste Steuerung, die wir uns gönnen und die wir üben dürfen, ist die Pause-Taste zu drücken für unser Gedanken-Karussell. Dafür dürfen wir uns an zwei Hintergrund-Infos erinnern, die wir natürlich eigentlich kennen, aber häufig vergessen: 

  1. Handeln können wir immer nur in diesem Moment. Unsere Kraft und unser Einflussbereich liegen genau hier und jetzt. Natürlich können wir überlegen, was wir gestern hätten tun sollen oder was wir morgen tun werden. Aber die eigentliche Handlung findet immer in diesem Moment jetzt statt. Wie gestern gelaufen ist, können wir nicht mehr ändern und ob morgen alles nach Plan läuft… Wenn wir ehrlich sind, kommt es ja oft doch wieder anders als wir jetzt denken.
  2. Um leistungsfähig zu bleiben, brauchen wir Erholung. Unser Smartphone schließen wir jede Nacht an die Steckdose an. Uns selbst geben wir oft zu wenig erholsamen Schlaf und vergeigen uns die Möglichkeiten kleiner Auszeiten im Alltag. Wir benötigen aber beides. Leistung muss im Wechsel mit Entspannung stattfinden, sonst laufen wir bald in eine chronische Stress-Belastung mit einer breiten Palette an Folgen. 

Ich bin ziemlich sicher, dass Du kein Problem hast, Leistung auf die Straße zu bringen, richtig? Auch wenn Dir das vermutlich früher mal leichter von der Hand ging. Aber ich vermute, Du liest diesen Text bis hierhin, weil es Dir schwer fällt, die nötige Entspannung zu finden? Für Dich schreibe ich hier auf, was meinen Klienten und auch mir selbst immer wieder dabei hilft: 

Nimm die Steuerung Deines Kopf-Kinos in die Hand. Bei der nächsten Gelegenheit, bringe 5 Minuten Pause unter. Und dann gib Deinem Gehirn ruhig die Anweisung: „Prima, vielen Dank für Deine vielen Filme, die du für mich parat hast. Ich komme gerne später darauf zurück. Gerade jetzt nutze ich die Gelegenheit zu einer wichtigen Pause, um danach auch wieder Kraft zu haben für alles, was kommt.“. Und dann versuche einmal, einfach einen Moment nur bei dem zu sein, was gerade ist. Hast Du Dir vielleicht tatsächlich gerade einen Moment Zeit für einen frischen, heißen Kaffee erkämpft? Dann sei in diesem Moment. Realisiere, dass Du wirklich gerade einen Kaffee trinkst, wie Du es Dir oft wünscht. Bemerke, dass gerade alles absolut in Ordnung ist. Gerade jetzt herrscht kein Stress. Dieser eine Moment ist ganz Deiner und je mehr Dir das bewusst wird, desto wertvoller wird der Augenblick. Na, wie schmeckt dieser Schluck Kaffee? 

Wirklich, probiere das einmal. Funktioniert auch beim Spielen mit den Kindern, dem Arbeiten am Lieblingsprojekt oder beim Austausch mit dem Partner. Sei ganz in diesem Moment und nimm wahr, was gerade jetzt ist. Du wirst feststellen: Gerade jetzt in diesem Moment ist oft alles gut. Eine Gelegenheit zur Erholung. Spüre, dass Du jetzt in diesem Augenblick sicher bist und es kein Hetzen gibt. Diese Wahrnehmung kann man üben. Das kann man dann Achtsamkeit nennen, muss man aber nicht. Auf jeden Fall wirst Du eine Vorahnung von dieser Magie des „Hier und Jetzt“, von dem so viel gesprochen wird, bekommen. 

Und vielleicht macht das ja Lust, Dir nun öfter einen Moment im Jetzt zu gönnen?

 

Und hey – ich weiß, diese ganze Kopf-Kino-Sache ist ganz schön tricky. Der wird man meist leichter mit Unterstützung her. Deshalb schreibe mir eine E-Mail und wir vereinbaren einen Termin zum Kennenlernen und wir enttarnen erste Gedanken, die Dir den Weg entspannenden Pausen versperren.

 

pic by Drew Coffman on Unsplash


Tags

Achtsamkeit, Ausgleich, Balance, Chancen, im Moment sein, Life Balance, Moment für mich, Pause


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