24.11.2021

Welche Art von Zeitdruck hast Du? | Stressmanagement

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Es ist nie genügend Zeit! Mir rennt die Zeit davon. Wenn ich doch nur mehr Zeit hätte … kennst Du diese Gedanken? Meiner Erfahrung nach haben Stressbelastung und Möglichkeiten der Stressbewältigung sehr häufig auch mit dem Thema Zeit zu tun: Wie viel Zeit hast Du? Wofür nutzt Du sie? Wann nutzt Du Deine Zeit gut und wann verzettelst Du Dich? Wodurch entsteht Dein persönlicher Zeitdruck? In welche Zeitdruck-Falle tappst Du am häufigsten?


Welcher Zeitdruck-Typ bist Du?

Bei der Recherche zu meinem Buch – Du weißt schon, der Reiseführer ins Land der Gelassenheit für Menschen mit wenig Zeit – bin ich bei Thomas Berger* auf einen kurzen und praktischen Selbsttest gestoßen. Und da Reflektion und Selbsterkenntnis bekanntlich die ersten Schritte auf dem Weg zu Veränderung sind, stelle ich Dir heute die vier Zeitdruck-Typen vor, die Berger beschreibt. Schau doch mal, welcher Typ Du bist. Damit Du dazu noch mehr Lust bekommst, liefere ich Dir natürlich gleich ein paar Tipps und Tricks mit, wie Du mit Deinem persönlichen Zeitdruck besser umgehen kannst.


Buffet statt Schublade

Wie bei allen Typologie-Tests ergibt sich für die meisten Menschen eine Kombination mehrerer Typen. Da ich sowieso nicht oft genug betonen kann, dass keiner von uns in eine Schublade passt oder mit einem bestimmten Stempel passend charakterisiert ist, empfehle ich auch hier (ebenso wie Berger selbst), die Aussagen zu nutzen, um Deinen persönlichen Umgang mit der Zeit zu reflektieren. Auch bei den entsprechenden Tipps zu den einzelnen Typen, darfst Du Dir wie an einem Buffet nach Herzenslust herauspicken, was Dir gerade schmeckt und guttut.


Der Test - Anleitung

Lies Dir die folgenden Aussagen zu den vier Typen durch und entscheide, welche zu Deiner persönlichen Art des Zeitdrucks zutreffend sind. Schau einfach In welchen Aussagen Du Dich wiederfindest.


Typ A
  • Ich habe Probleme, weil ich bei zu vielen Leuten Ja sage.
  • Ich will alles perfekt machen.
  • Es fällt mir schwer, Prioritäten zu setzen.


Typ B
  • Es kostet mich immer wieder Zeit, weil ich auf etwas wie meiner Ansicht beharre.
  • Das meiste empfinde ich als dringend.
  • Am liebsten würde ich alles auf einmal machen.


Typ C
  • Es gibt so viele Handlungsmöglichkeiten, dass ich mich manchmal verzettele.
  • Ich befürworte Veränderungen und will diese auch durchsetzen.
  • Manchmal wird mir gesagt, ich wartete darauf, dass andere etwas tun.


Typ D
  • Ich komme manchmal nicht in die Puschen, weil ich es übergenau wissen will.
  • Der Schreib-/ Verwaltungskram wächst mir über den Kopf.
  • Ab und zu denke ich zu sehr über das Wie nach und vergesse das Tun.


So weit so gut? Hast Du Dich bei der einen oder anderen Aussage wiedererkannt? Ok, dann ist es als erstes wichtig, dass Du Dir dafür nicht selbst Vorwürfe machst. Jeder von uns hat seine persönlichen Zeitfallen. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Es gibt für jeden von uns aber wunderbare Möglichkeiten, zu lernen diese Zeitdruckfallen zu umgehen. Deshalb jetzt direkt ohne lange Umschweife zu den Tipps und Tricks.


Zeit-Tipps und Tricks


Typ A | Zeit-Falle: Mach es Allen recht und sei perfekt!

Schau doch mal, ob Du Dir nicht regelmäßig fünf Minuten Zeit nehmen möchtest (beim Autofahren, beim Duschen, beim Wäsche falten oder auch bei einem Spaziergang), um Dir ganz in Ruhe ein kleines Thema nach dem Anderen vorzunehmen und zu überlegen, was DU dabei eigentlich willst. Das nächste Mal, wenn dazu zig Bedürfnisse Anderer auf Dich einstürmen, die Du empathisch wie Du bist, alle wahrnimmst, dann sind Deine eigenen Bedürfnisse wenigstens schon einmal mit in der Waagschale. Und dann kannst Du für Alle fair entscheiden (Dich selbst eingeschlossen!), was jetzt Priorität hat.

Im zweiten Schritt darfst Du dabei auch trainieren, ruhig öfter mal Nein zu sagen, weil Deine eigenen Bedürfnisse Priorität haben. Wenn Du die nämlich ständig hinten runterfallen lässt, ist Deine Energie für Andere sowieso irgendwann aufgebraucht. Und davon hat niemand etwas, wenn Du nur noch genervt und dünnhäutig durch die Gegend motzt. Nein sagen ist ok!


Typ B | Zeit-Falle: Beeil Dich und sei stark!

Ich werde Dir hier nicht empfehlen, achtsam innezuhalten oder zu meditieren, weil ich weiß, dass Du dann mit den Augen rollst und Dich lieber zügig Deiner zigsten Aufgabe zuwendest, die Du heute schon angefangen hast 😉 Deshalb für Dich nur kurz die Erinnerung an das, was Du theoretisch natürlich selber weißt: Menschen sind keine Maschine. Wir haben Schwächen und machen zum Glück auch Fehler. Aus denen können wir dann lernen und daran wachsen. Vielleicht hast du heute eine Situation, in der Du Dir das auch zugestehen möchtest?

Was darüber hinaus bei der Menge an Aufgaben, die Du auf der Platte hast, empfehlenswert ist: Pausiere in der Geschäftigkeit Deines Tuns regelmäßig, um zu prüfen, ob Du den Aufgaben, die Dir am wichtigsten sind, auch die meiste Aufmerksamkeit zukommen lässt.


Typ C | Zeit-Falle: Streng Dich an, auch wenn Du denkst, du schaffst das nicht!

Was würdest Du Dir selbst raten, wenn Du Dein/e beste/r Freund/in wärst? Würde Dir auffallen, dass es nicht nötig ist, oft so streng mit Dir zu sein? Antrieb durch Deinen persönlichen Motor (das ist Deine innere Motivation) bringt Dich viel weiter und ist angenehmer während der Fahrt als Dir selbst mit der Peitsche im Rücken zu sitzen.

Wenn Du Dir eine Pause von der Peitsche gönnst, fällt es Dir garantiert gleich leichter, zu entscheiden, was Du willst (s. Antriebsmotor). Es wird Dir in Zeitnot schneller gelingen, die eine nächste Aufgabe passend zu identifizieren. Du kannst Dir sagen: „Das ist es, was jetzt getan werden muss und ich kann das!“


Typ D | Zeit-Falle: Sei vorsichtig und denke gründlich nach!

Wo Du schon mal beim Nachdenken bist, alles gegeneinander abwägst und versuchst, Dich für die richtige Vorgehensweise zu entscheiden, denke mal zwei Minuten darüber nach, was Du in Deinem Leben schon alles geschafft hast. Sicher wirst Du feststellen, dass Du schon ziemlich viele schwierige Situationen gut gemeistert hast. Da darfst Du Dich ruhig beherzt an die jetzt vor die liegenden Aufgaben machen.

Wie wäre es mit einem aufmunternden „Einfach mal machen, könnte gut werden!“? Don’t overthink it. Auch das schlichte: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ könnte Dir helfen, die nächste Zeit-Falle zu umgehen – am besten sicher, wenn Du den Spruch in eine einfach Botschaft an Dich selbst umformulierst: „Es gibt nichts Gutes, außer ich tu es!“


Reduziere Deinen Zeitdruck

Mit diesen Denkanstößen überlasse ich Dich nun Deinem Wochenende. Egal, ob Typ A, B, C, D oder eine wunderbare Mischung aus mehreren dieser Typen, für uns alle gilt: Wir dürfen unseren individuellen Umgang mit der Zeit haben. Als Typ D sollst Du nicht zu einem Typ B werden oder andersherum. Aber wenn Du Zeitdruck empfindest, darfst Du Dir Wege suchen, ihn zu reduzieren.

Die Zeit bleibt die Zeit. Ganz gerecht stehen jedem von uns jeden Tag immer wieder frische 24 Stunden zur Verfügung. Du hast die Wahl, wie Du mit Deiner Zeit umgehst.

Hast Du schon eine Idee für dieses Wochenende?



Und hey – wenn Du Lust hast, das für Dich persönlich auseinanderzusortieren, dann schreibe mir unbedingt und wir sprechen, was Du Dir von der Zeit wünscht. Ich freue mich darauf, von Dir zu hören!

Ich lebe und arbeite im schönen Idstein bei Wiesbaden und Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet. Die Technik macht es möglich, dass wir auch räumliche Distanz im Online Coaching überbrücken können.


* Quellenangabe: Berger, Thomas Burnout-Prävention. Erschöpfung verhindern - Energie aufbauen. Selbsthilfe in 12 Stufen. Stuttgart, Schattauer, 2016.


Pic by Jan Huber on Unsplash



Tags

Stressmanagement, Zeitmanagement


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