25.11.2022

Wie durch Aktionismus die Effizienz den Bach runter geht | Stressmanagement

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Kennst Du das: Du rennst und rennst, aber die Arbeit wird immer mehr und mehr?

Du hast ordentlich Power und kannst richtig was wegschaffen. Was aufkommt, wird angepackt. Am besten jetzt gleich. Deine Handlungsgeschwindigkeit ist beeindruckend. Trödeln geht für Dich gar nicht. Du packst an, mit Tempo und mit Tatkraft. Du verstehst nicht, was bei Anderen oft so lange dauert. Allzu oft hast Du schon Dinge gemacht, um die sich ja sonst niemand kümmert. Das nervt Dich ganz schön. Du versuchst auch oft, den Anderen Beine zu machen. Es ändert sich nur leider nichts. Im Gegenteil. Du hast den Eindruck, Du musst hinter immer mehr her sein und Alle ständig antreiben. Und jetzt reißt Dir immer öfter der Geduldsfaden. Außerdem dreht sich Dein Rad mittlerweile so vielfältig und so schnell, dass Dir zu viele Flüchtigkeitsfehler passieren. Du vergisst, wichtige Dokumente zu speichern oder verlegst Dinge.


Die Logik der Abwärtsspirale

Was für ein Mist. Aber bevor Du darüber so richtig in Rage gerätst, lies lieber weiter, warum diese Entwicklung ganz logisch ist und was Du tun kannst, um aus dieser Abwärtsspirale rauszukommen. Aktionismus ist das, was entsteht, wenn wir durch Übertreibung das Gute ins Schlechte kippen lassen. Tempo ist gut. Flüchtigkeit nicht so sehr. Handlungsgeschwindigkeit ist gut. Drängeln nicht so sehr. Tatkraft ist gut. Rastlosigkeit nicht so sehr. In diese Übertreibungen rutschen wir, wenn wir es mit einer unserer Stärken (in diesem Fall die Fähigkeit, schnell zu handeln) übertreiben. Dann fangen wir an, uns nicht nur übertrieben zu verhalten, sondern auch getrieben zu sein. Mit angespannter Ungeduld fassen wir nervös noch eine weitere Sache an, wenn die Anderen einfach nicht aus den Puschen kommen. Wir können auch nach Feierabend nicht ruhen, sondern fassen zu Hause noch zig verschiedene Sachen an, obwohl wir eigentlich schon lange nicht mehr klar denken können. Das ist der Moment, wo uns der Kaffeebecher aus der Hand rutscht, wir versehentlich den Autoschlüssel in den Müll schmeißen und stattdessen den Papiermüll in die Post geben…


Stressiger, innerer Antrieb

In diese Übertreibung rutschen wir durch unsere inneren Antreiber. Der Rastlose in uns ist so ein innerer Antreiber. Der heizt uns ein mit Gedanken wie:

  • Beeil Dich!
  • Schnell, schnell, je mehr Du machst, desto mehr bist Du wert.
  • Du musst noch mehr in Deinen Tag/ in Dein Leben packen, um es damit reicher machen.
  • Carpe Diem – nutze den Tag… und lasse keine einzige Minute ungenutzt verstreichen.

Dieser stressverstärkende innere Antrieb katapultiert uns auf direktem Weg in den Überlebensmodus in unserem Gehirn. Wir sind nicht mehr cool und energetisch, sondern angespannt, genervt und – ja – eben getrieben. Und diese Gedanken sind eine Lüge.


Selbst-Sabotage

Dummerweise werden wir in diesem Modus gereizt und herrisch mit z. B. den Kollegen und treiben sie vor uns her als wären sie Schafe. Worauf die Kollegen natürlich keine Lust haben und sich gedrängelt fühlen. Warum sollen sie sich überhaupt beeilen, wenn Du die Aufgabe sowieso schon vor ihnen in der Hand hattest und sie nur noch übernehmen können? Gleichzeitig werden wir selbst immer fahriger und haben das Gefühl, ganz allein alle großen und kleinen Feuer löschen zu müssen. Das funktioniert natürlich genauso gut, wie als wenn der Zugführer eines Löschzuges sich zu jedem Brandherd an seinen Leuten vorbeidrängeln würde, um zuerst da zu sein, oder seine Leute so anzutreiben, dass diese dann ohne Schutzanzüge vor den Flammen stehen. Die angespannte Geschwindigkeit verengt unsere Wahrnehmung und beschert uns einen Tunnelblick. Kurze Wartezeiten werden uns immer unerträglicher und die vielen schönen Möglichkeiten rechts und links von unserem Tunnel können wir überhaupt nicht mehr wahrnehmen. So übersehen wir Chancen und distanzieren uns von den Menschen um uns herum. Wir lassen sie im wahrsten Sinne des Wortes hinter uns, stehen dann allein da und… na klar, haben wieder den Eindruck eben der Einzige zu sein, der es macht.

Das sind richtige innere Sabotage-Akte, die wir in solchen Situationen am Laufen haben. Stimmst Du mir zu? Wenn ja, dann interessiert Dich jetzt sicherlich, was Du dagegen tun kannst. Zum Glück ist es gar nicht so schwierig, den sabotierenden Aktionisten in uns in den Griff und das Tempo, das Dir am Herzen liegt, auf die Straße zu bekommen.


Selbst-Sabotage verhindern

Schritt 1: Enttarne Deinen inneren Aktionisten

Bemerke, was da gerade läuft. Beachte, wie getrieben und unzufrieden Du Dich mit Dir und allen um Dich herum fühlst. Nimm wahr, welche negativen Gedanken Dir Dein innerer Aktionist einflüstert.

Schritt 2: Stoppe die Gedankenspirale

Sage Dir innerlich ganz deutlich: Stopp! Warte mal, so läuft das ja irgendwie nicht. Schwenke kurz Deinen Blick zur Seite oder nach oben und dann nimm ganz bewusst drei ganz tiefe und ganz lange Atemzüge. Wenn Du es schaffst, tritt ans Fenster und nimm Dir eine Minute Zeit, die Jahreszeit zu bemerken. Woran kannst Du sehen, dass es Herbst ist. Achte auf Farben, Formen, Bewegungen, die Du von Deinem Fenster aus sehen kannst. Super! Damit schaltest Du automatisch raus aus dem Gehirnareal, in dem unser Überlebensmodus und unser Stress verortet ist.

Schritt 3: Nochmal neu aus der Liebe für Tempo und Tatkraft gedacht

Und jetzt werde Dir bewusst, was Dir wirklich gerade am Herzen liegt – in unserem aktuellen Fall die Tatkraft. Was kannst Du am besten tun, um der Tatkraft zu dienen und ordentlich was wegzuschaffen? Willst Du Dir zehn Minuten nehmen, um Deine To-Do-Liste nach Wichtigkeit und Dringlichkeit zu sortieren und danach schauen, welche Kollegin/ welcher Kollege etwas übernehmen kann? Willst Du Deine Leute einbinden und mit ihnen eigenverantwortliche Deadlines vereinbaren, statt doch immer wieder selbst überall hineinzuspringen und lose Enden zu hinterlassen? Wo ist wirklich Tempo gefragt, wo möchtest Du mit Vollgas weiterfahren? Wo möchtest Du vielleicht Rücksprache halten und etwas anders strukturieren? Möchtest Du – wie der Läufer im Sport – eine Regenerationseinheit einlegen oder komplementär zur Geschwindigkeit mal die Muskulatur stärken, damit Du für die Projekte, bei denen es brennt weiterhin schnell und proaktiv eingreifen kannst, ohne zu viele Reibungsverluste zu produzieren? Was es auch ist, lass es aus Deiner absoluten Stärke, Deiner Fähigkeit zur Handlungsgeschwindigkeit, heraus entstehen. Lass Dich von diesem Wert positiv leiten, statt Dich getrieben und hektisch in zig Tätigkeiten zu verlieren.


Der Unterschied ist der Effizienz-Hebel

Den Unterschied wirst Du schnell spüren – in Deinem Stressempfinden, in Deinem Verhältnis zu den Kollegen und vor allem auch an der Effizienz, die Du und Ihr abliefern könnt. Es lohnt sich also, Schritt 1, 2 und 3 bei der nächsten Aktionismus-Attacke einfach mal auszuprobieren.

Ich wünsche Dir ganz viel temporeichen Spaß dabei!


Und hey – wenn du Unterstützung beim Umschalten vom Überlebensmodus in Deine innere Stärke gebrauchen kannst, dann schreibe mir unbedingt. Ich freue mich darauf, von dir zu hören!

Ich lebe und arbeite im schönen Idstein bei Wiesbaden und Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet. Die Technik macht es möglich, dass wir räumliche Distanz im Online Coaching überbrücken können.


Pic by Mathew Schwartz on Unsplash


Tags

mentale Fitness, Stressmanagement


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