Errätst Du die Top-3-Ausreden, warum wir nicht tun, was wir eigentlich tun wollen? Sie begegnen mir im Coaching und Training jedes Mal. Es ist der Dreiklang aus „keine Zeit, kein Geld, zu viel zu tun“. Um die Zeit-Ausrede zu entlarven, kannst Du hier weiterlesen: Die Zeit-Lüge. Über die zu-viel-zu-tun-Ausrede wirst Du hier im November lesen können. Heute geht es ums Geld.
Über Geld spricht man nicht
„Über Geld spricht man nicht!“ – diesen Satz haben wir fast alle irgendwann gehört. Die daraus resultierende Haltung bröckelt ganz langsam, aber sitzt tief. Während sich aktuell mehr als ein Drittel der Deutschen aufgrund der gestiegenen Energiepreise Sorgen über ihre finanzielle Situation macht, spricht ebenfalls ein gutes Drittel noch nicht einmal in der Partnerschaft über Geld.
Dieser Satz ist durch unsere Sozialisierung so verständlich, wie er hinderlich ist. Denn wenn „Dafür habe ich kein Geld.“ so oft die Begründung ist, warum wir etwas nicht tun, dann lohnt sich ein genauer Blick – und ein Gespräch.
Wie fühlst Du Dich mit dem Thema Geld?
Welche Gefühle kommen für Dich auf, wenn Du über Geld nachdenkst?
Freude, Leichtigkeit, Entspannung oder doch eher Neid, Sorge, Angst, Mangel, Verlust, Scham, Schuld? Für viele von uns ist Geld tief mit einem negativen Gefühl verknüpft, auch wenn wir heute längst in einer großen Wohnung wohnen, ein teures Auto fahren, gerne Restaurants besuchen und regelmäßig in den Urlaub fahren.
Teufelskreis des Nicht-Sprechens
Unsere Gefühle sind der Treibstoff unseres Handelns. Daran dürfen wir uns immer wieder erinnern. Der allgemeine Sprachgebrauch und die akzeptierten gesellschaftlichen – besonders berufliche – Erwartungen gaukeln uns doch in der Regel ein rationales Handeln vor. Dabei speist sich unsere Motivation maßgeblich durch unsere Gefühle: Positive Gefühle erzeugen in uns eine Hin-zu-Motivation. Negative Gefühle wiederrum führen zu einer inneren Weg-von-Motivation. Zum Thema Geld kann das leicht zu einem Teufelskreis werden:
Wir empfinden Sorge und meiden das Thema. Dadurch wissen wir nicht genau, wo wir finanziell wirklich stehen. Diese Unklarheit führt zu noch mehr Sorge und es gesellt sich womöglich noch Scham, Angst oder Schuld dazu. Wir meiden die Auseinandersetzung mit Geld noch mehr und schweigen.
Zwei Wege raus
Beide Wege raus aus dem Teufelskreis beginnen damit, hinzuschauen. Sind Deine negativen Gefühle, Deine Sorge und Scham berechtigt? Nimm Dir einen Moment für eine sachliche Kurz-Analyse.
- Managest Du Deine Finanzen gut?
- Hast Du Rücklagen und Ersparnisse?
- Passen Deine Ausgaben zu Deinen Einnahmen – und Deinen wirklichen Wünschen?
Finanzmanagement
Wenn Du bei diesem kurzen, ehrlichen Blick feststellst, dass Deine Sorgen berechtigt sind, dann packe das Problem operativ und tatkräftig bei den Hörnern. Suche Dir jemanden, mit dem Du Dich dazu besprechen kannst. Dies kann eine Finanzberaterin sein oder Du fängst vielleicht einfach an, Dich mit Deinem Partner, Deiner Familie oder Deinen engen Freunden auszutauschen. Ich bin keine Finanzberaterin, aber ich weiß, dass eine Veränderung immer mit einer ehrlichen Analyse der Ausgangssituation beginnt.
Gehe aus der Vermeidung. Wenn das sehr schwer ist, starte ganz klein: Nur mal zehn Minuten z. B. für einen Blick auf das Konto. So kannst Du dem Scham- und Schuldgefühl schon mal ein Schnippchen schlagen und die nächsten zehn Minuten werden ein kleines bisschen weniger schwerfallen.
Zwei Wege raus | 2. Mental stark
Sind Deine Sorgen oder Deine Schuld oder andere Gefühle aktuell gar nicht berechtigt? Du bist finanziell eigentlich gut aufgestellt und die negativen Gefühle sind eher Relikte aus vergangenen Zeiten?
Dann könnte es interessant für Dich sein, zu reflektieren, welches Money Script in Dir angelegt ist. Welche Gedanken kommen Dir zu Geld bekannt vor:
- Geld ist schmutzig.
- Geld steht mir nicht zu.
- Ich werde glücklich sein, wenn ich mehr Geld habe.
- Geld definiert meinen Erfolg und meinen Wert.
- Geld ist immer knapp.
- ...
Was hast Du Deine Eltern über Geld sagen hören? Wie hast Du sie im Umgang mit Geld beobachtet? Was denkst Du über reiche Menschen? Was glaubst Du würde passieren, wenn Du viel mehr Geld hättest?
Kleiner Exkurs: Unser Gehirn arbeitet sehr effizient
Unser Gehirn ist fähig zu unfassbar hoher Rechenleistung. Es kann komplexeste Problemstellungen für uns lösen und ermöglicht uns unsere brillantesten Glanz-Momente. Um die Kapazität dafür zu haben, laufen viele Alltags-Prozesse im Auto-Pilot-Modus. Alles, was wir wahrnehmen, wird durch einen ersten, groben Interpretationsfilter geschickt. Im Coaching nenne ich den unsere innere Richterin. Sie sortiert in drei Bereichen in gut oder schlecht und neigt dabei zum Negativen:
ich selbst („Ich bin zu blöd dafür.“)
Andere („So ein Idiot!“)
Die Umstände („Geld…, die Rahmenbedingungen, …“)
Das Gehirn legt Gedanken-Muster an, die es uns als Standard-Antwort auf diese Beurteilung vorlegt. So entspringt: „Dafür habe ich kein Geld!“ der Verurteilung der Umstände.
Verhandlung mit Deiner inneren Richterin
Was ist nun aber, wenn diese automatische Reflex-Interpretation gar nicht stimmig ist? Was, wenn sie ständig Gedanken-Muster auslöst, die uns stressen?
Wir können den Gedanken-Mustern ein Update gönnen (aka Arbeit an unseren Glaubenssätzen). Ehrlicherweise wird das allerdings ganz schön schwierig, wenn wir dafür nicht auch das Urteil unserer inneren Richterin auf den Prüfstand stellen.
Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du zu den Gedanken oben z. B. die folgenden einmal ausprobieren würdest:
- Geld ist schmutzig. – Was könnte ich mit mehr Geld Gutes tun?
- Geld steht mir nicht zu. – Ich arbeite hart und verdiene es.
- Ich werde glücklich sein, wenn ich mehr Geld habe. – Was wird Geld mir ermöglichen und was daran wird mich glücklich machen? Was davon kann ich bereits jetzt in meinem Leben haben und heute glücklich sein?
- Geld definiert meinen Erfolg und meinen Wert. – Mein Wert definiert sich über viele Aspekte meiner Persönlichkeit, nicht über meinen Kontostand.
- Geld ist immer knapp. – Das Geld reicht immer, um mir zu kaufen, was ich und meine Lieben zum Leben benötigen.
Raus aus der Falle
Wenn Du Dich öfter bei dem Gedanken ertappst: „Das geht nicht, dafür ist kein Geld da.“, dann lass diese Falle nicht zuschnappen. Egal, ob Du aktiv Dein Finanzmanagement verbesserst oder Dich mental stark zum Thema Geld aufstellst, Du musst die Geld-Ausrede nicht zwischen Dir und Deinen Wünschen stehen lassen.
Über Geld spricht man nicht?
Doch. Und zwar je früher, desto besser.
Und hey – wenn Du Dich austauschen möchtest zur Arbeit an Deinen Glaubenssätzen, dann schreibe mir. Achtung: Ich bin keine Finanzexpertin. Für das aktive Finanzmanagement bist Du natürlich bei jemand anderem besser aufgehoben!
Ich lebe und arbeite im schönen Idstein bei Wiesbaden und Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet. Die Technik macht es möglich, dass wir räumliche Distanz im Online-Coaching überbrücken können.
Viele Deutsche sprechen nicht über Geld: https://www.teambank.de/medien/presse/studie-finanzielle-stimmung-droht-zu-kippen-viele-deutsche-sprechen-nicht-ueber-ihre-finanzen/
Scarcity: https://behavioralscientist.org/scarcity-excerpt-mullainathan-shafir/
Money Scrips: https://www.simplypsychology.com/articles/money-scripts-guide
