02.10.2021

Faulheit oder verdienter Ausgleich zum Stress?

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Hast Du meinen Aufruf zur Faulheit vor zwei Wochen gelesen?* Ich hatte empfohlen, ab und zu einfach mal faul zu sein. Ab und zu sollten wir alle mal den Produktivitäts-Modus verlassen und schauen, was wir einfach auch mal NICHT tun könnten. Ich hatte mich über den Sommer zum Beispiel für Social Media Faulheit entschieden.


Die Skala der Unproduktivität

Diese Rebellion entgegen unser aller Leistungs-DNA kann einiges an Sorge auf den Plan rufen: „Oh, lieber nicht!“, „Bloß nicht lockerlassen!“ und „Faulheit kann ich mir nicht erlauben!“. Wir wollen uns nicht nachsagen lassen, faul zu sein. Deshalb möchte ich heute genauer hinschauen, wann Faulheit überhaupt Faulheit ist. Tatsächlich ist der Begriff „Faulheit“ in meinem Aufruf mein provokant gewähltes Synonym für Erholung, Ausruhen und Ausgleich. Dabei sind Faulheit und Erholung zwei extreme und gegensätzliche Punkte auf der gleichen Skala – der Skala der Unproduktivität.


Die Skala des Fleißes

Da wir uns nicht nachsagen lassen wollen, faul zu sein, vermeiden wir, uns überhaupt irgendwo auf dieser Skala der Unproduktivität aufzuhalten. Wir wählen das andere Extrem: Die Skala des Fleißes und schaffen, rennen und tun und wirtschaften damit unsere persönlichen Energiereserven herunter. Dabei gibt es ganz wunderbare Gründe dafür, regelmäßig auch mal unproduktiv zu sein. Theoretisch wissen wir alle, dass unsere Kraft nicht endlos reicht. Wir müssen regelmäßig auftanken. Trinken, essen und schlafen sind die kleinsten Einheiten der Erholung. Pausen, Feierabend und Wochenende die nächstgrößeren. Urlaub und etwas längere Auszeiten vom Job die noch größeren. Um dauerhaft leistungsfähig zu bleiben, brauchen wir als menschliche Wesen einen ausgewogenen Wechsel von Leistung und Entspannung.


Faulheit vor oder nach der Leistung?

Nun gibt es natürlich viele Gründe, warum wir uns die notwendige Entspannung verwehren. Die Angst vor der Faulheit ist aus dieser Warte heraus unbegründet. Faulheit meint laut Duden die „Unlust, sich zu betätigen“. Damit wird bereits deutlich, dass die Unproduktivität der Faulheit VOR dem Produkt/ dem Ergebnis Deiner Betätigung liegt. Das ist einer der Hauptunterschiede zwischen Faulheit und Erholung: Die Ergebnisse, die Du erzielst und die Beiträge, die Du leistest.


Ineffizienz

Stell Dir vor, Du hast eine große Aufgabe vor Dir – vielleicht die Ausarbeitung einer Präsentation im Board Meeting. Wenn Du das vor Dir herschiebst und erstmal noch all Deine WhatsApp-Nachrichten beantwortest, den einen Podcast noch zu Ende hörst, abends vor Netflix versackst und am nächsten Morgen, bevor Du Dich nun wirklich dringend an die Präsentation machen musst, erst einmal noch endlich Dein Postfach sortierst, dann bist Du unproduktiv VOR der Erbringung der von Dir angestrebten Leistung. Das ist Aufschieberitis und fällt auf die Faulheitsseite der Skala. Besonders wenn Du stark eigenverantwortlich arbeitest, weißt Du, wieviel Produktivität Dich das kosten kann. Diese Art der Faulheit und der Ineffizienz willst Du nicht.


Energie wieder auftanken

Hast Du nun allerdings Deine Präsentation vor dem Board of Directors erfolgreich gehalten und gönnst Dir DANACH einen Abend voller Netflix oder einen Tag voller Instagram- und WhatsApp-Ablenkungen während Deines Arbeitstages, schaltest mal einen Gang zurück und lässt mal Fünfe gerade sein – dann ist das Ausgleich und Erholung. Das ist der Punkt, an dem ich Dich zur Faulheit aufrufe – und wie wir mittlerweile geklärt haben, damit den notwendigen Ausgleich und die Erholung meine. Schließlich möchtest Du auch für die nächste Aufgabe, die nach Deiner erfolgreichen Präsentation vielleicht noch verantwortungsvoller ist, wieder energiegeladen an den Start gehen.


DER Unterschied zwischen Faulheit und Erholung

Zum Abschluss habe ich ein weiteres ganz einfaches Unterscheidungskriterium für Dich, mit dem Du sicher sagen kannst, ob Deine Unproduktivität mit Faulheit zu tun hat (die wir uns nicht erlauben wollen) oder mit Erholung (die wir uns erlauben müssen, wenn wir unsere Leistungsfähigkeit nicht verspielen wollen).


Prüfe, wie Du Dich während des Nichtstuns fühlst.


Faulheit
  • Schuldgefühle
  • Druck
  • Ich müsste, sollte, …
  • Kein Genuss im Nichtstun


Erholung
  • Stolz auf Geleistetes
  • Erleichterung
  • Ich hatte, …
  • Wohlverdiente Entspannung


Mein Tipp

Mein Tipp für die nächsten Tage lautet: Markiere Dir Meilensteine Deines Tuns. Vermeide in deren Vorbereitung diszipliniert die Faulheit und genieße danach die wohlverdient ausgleichende Entspannung.


Und hey – wenn Du Lust hast, das für Dich persönlich auseinander zu sortieren, dann schreibe mir unbedingt und wir sprechen, wo Du Dir mehr Nichtstun gönnen darfst und wo Du Recht hast, Faulheit zu vermeiden. Ich freue mich darauf, von Dir zu hören!

Ich lebe und arbeite im schönen Idstein bei Wiesbaden und Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet. Die Technik macht es möglich, dass wir auch räumliche Distanz im Online Coaching überbrücken können.


* Falls Du meinen Aufruf zur Faulheit verpasst hast, könnte das daran liegen, dass Du meine Gedankenanstöße noch nicht abonniert hast. Das kannst Du hier nachholen: Kostenlos zu den Stress Hacks und den Gedankenanstössen.

Sehr interessant dazu auch die Podcast Episode von Brooke Castillo von The Life Coach School: Episode 382 „Resting vs. Laziness“

pic by Barbara Horn on Unsplash


Tags

Stressmanagement


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