13.2.2021

Führungsverantwortung

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Über Verantwortung brauche ich Dir nichts zu erzählen, stimmt’s? Du trägst viel davon und zwar auch extrem gut! Du kannst wirklich stolz darauf sein, wie viele Bälle Du in der Luft hältst, wie viel man Dir zutraut und was Du alles in Deinem Leben erschaffen hast. Magst Du etwas von mir über Verantwortung lesen, wenn ich Dir sage: Ich verstehe, dass Du manchmal nicht mehr weißt, wie Du dieser vielfältigen und großen Verantwortung gerecht werden sollst? Du kennst das Gefühl, erdrückt zu werden von der Last, die Du trägst? Du siehst keinen Ausweg, weil Du keine Deiner Verantwortlichkeiten fallen lassen kannst?


Konkrete Tipps für mehr Resilienz

In dieser siebenteiligen Serie liest Du die wichtigsten Antworten auf die Frage: „Resilienz, wie geht das?“, kombiniert mit konkreten Alltags-Tipps und Ideen für erste Schritte, die Du jetzt und heute gehen kannst, um persönlich gut durch diese Pandemie und andere Krisen zu kommen.


Verantwortung für Dich

Dieser Beitrag ist heute genau für Dich. Und ich weiß noch eine weitere Sache über Dich, die für Dich im toten Winkel Deines Rückspiegels versteckt ist. Ich weiß, dass Du einer Verantwortung schon länger nicht mehr angemessen gerecht geworden bist: Der wichtigsten Verantwortung in Deinem Leben überhaupt – der für Dich selbst. Habe ich damit Deine Aufmerksamkeit? Gut, dann möchte ich Dich als erstes bitten, dies nicht zum Anlass für Selbstkritik zu nehmen. Anschuldigungen und Versäumnisvorwürfe liegen mir fern. Du strengst Dich schon genug an und sollst auf keinen Fall noch mehr schultern und leisten. Vielmehr möchte ich Dich heute einladen, Dir selbst zu erlauben, Deinen Fokus etwas zu verschieben.


Verantwortung als Schlüssel

Oft wird von den 7 Säulen der Resilienz gesprochen, oder von den 7 Schlüsseln, wie auch Prof. Dr. Jutta Heller die Faktoren nennt, an denen man ganz pragmatisch, praktisch und konkret arbeiten kann.


Führungsverantwortung


Dazu möchte ich Dich einladen, Dir eine kleine Situation vorzustellen:

Du bist Führungskraft und hast eine Mitarbeiterin, der Du Deine wichtigsten Bereiche anvertraut hast. Sie ist sehr ambitioniert und Du kannst Dich immer auf sie verlassen. Sie gibt alles, um die von Dir vorgegebenen Ziele zu erreichen. Darüber hinaus bringt sie auch immer wieder eigene, sehr gute Ideen ein und hat einige Projekte als „Extra-Meile“ übernommen, was das 'Standing' Deiner Abteilung stärkt.

Hast Du ein Bild von ihr? Ja? Gut.

Dann weiter – Irgendwann erhältst Du von der Personalabteilung eine Info, dass Deine Mitarbeiterin mit ihren Überstunden im roten Bereich ist. Du schaust nach, wann sie zum letzten Mal Urlaub gemacht hat und stellst fest, dass ein richtiger Urlaub bei ihr schon mehrere Jahre zurück liegt. In den nächsten Tagen beobachtest Du Deine Leistungsträgerin genauer. Du stellst fest, dass sie für Kollegen und Kunden wie erwartet sehr kompetent und verlässlich Ansprechpartnerin ist. Du beobachtest auch, dass es Situationen zu geben scheint, in denen sich Andere auf ihrer Leistung ausruhen oder sich dahinter verstecken. Sie ist spät abends noch online und erklärt auf Rückfrage, dass sie noch etwas für ihre Projekte erledigen müsse, zu denen sie tagsüber nicht gekommen wäre.

Jetzt, wo Du mehr auf sie achtest, stellst Du fest, dass sie einen guten Teil ihrer früheren, guten Laune eingebüßt zu haben scheint. Sie wirkt oft müde und ganz schön gestresst. Bei genauerer Betrachtung haben auch ihre Arbeitsergebnisse leicht an Qualität nachgelassen. Es fehlt an Begeisterung und kleinere Fehler nehmen zu. Du weißt, dass ihre Arbeitskraft immer noch wertvoll ist, aber Du merkst dass sich etwas ändern muss.

Was tust Du als Vorgesetzte*r?


Gute Führung

Richtig, egal ob aus zwischenmenschlicher Fürsorge heraus, oder aus betriebswirtschaftlichem Kalkül, wirst Du Deiner Führungsverantwortung gerecht werden und mit Deiner Mitarbeiterin sprechen. Du wirst mit ihr eine Regelung suchen, wie sie ihre Überstunden abbauen kann und einen Urlaub plant. Du wirst mit ihr besprechen, welche Projekte und Tätigkeiten ihre Aufmerksamkeit brauchen und welche delegiert werden können. Wenn Du als Führungskraft richtig gut bist – und das bist Du natürlich – wirst Du ihr den Rücken stärken, öfter mal Nein zu sagen. Und bei dem ganzen Gespräch weißt Du natürlich auch, dass Deine wertschätzende Haltung dabei essentiell ist. Du trägst die Verantwortung dafür, dass die Arbeitskraft Deiner guten Mitarbeiterin langfristig erhalten bleibt. Ist Dir sonnenklar, oder?


Märchen und Schicksal

Dann frage ich Dich: Warum gehst Du mit Dir selbst anders um? Vergiss es… das war eine rhetorische Frage. Ich weiß, warum Du mit Dir selbst anders umgehst und Deine Kraftreserven und deren langfristigen Erhalt aus dem Fokus verlierst. Das liegt an unser aller Sozialisierung, unserer Prägung auf Leistungsorientierung und den vielen Ablenkungs- und Betäubungsmöglichkeiten (Alkohol, Endlos-Netflix-Serien, Smartphone, …), die sich uns heute bieten. Da kommt wieder meine Anmerkung von oben zum Tragen: Meine Frage enthält keinen Vorwurf, sondern eine Einladung und Erlaubnis.

Du bist doch nicht der Typ, der an den Ritter auf dem weißen Pferd glaubt. Du weißt doch, dass Du es bist, der Dein Leben mitgestaltet. Und Du bist doch mittlerweile auch lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass sich die Umstände nicht von alleine ändern. Und Du hast schon oft genug bewiesen, dass Du Deinem „Schicksal“ nicht still ergeben bist, sondern dass es darauf ankommt, was Du daraus machst.


2021 ist das Jahr!

Ich lade Dich ein, Dich selbst als wichtigste Ressource in Deinem Leben zu betrachten. Und ich lade Dich ein, die volle Verantwortung für Dich zu übernehmen. Das schließt ein, auf Deine Kraftreserven zu achten. Das ist gar nicht so einfach, wenn man gewohnt ist, viel von sich zu erwarten. Vielleicht ist 2021 das Jahr, in dem es für Dich dran ist zu lernen, wie Du auf Dich selbst achtest. Du hast schon so viele Entwicklungsschritte genommen, so viel gelernt in Deinem Leben. Irgendwann kommt der Punkt, an dem klar wird, dass Energie endlich ist. Irgendwann wird deutlich, dass Akkus aufgeladen werden wollen und ein langes, produktives und zufriedenes, glückliches Leben mit einem nachhaltigen Umgang der eigenen Kraft zu tun hat. Bist Du auf Deiner Wachstumskurve an diesem Punkt angekommen? Dann fragst Du Dich vielleicht, wie Du damit beginnen kannst. Du bist so beschäftigt damit, die vielen, vielen Bälle in der Luft zu halten. Ich verstehe sehr gut, dass es dabei fast unmöglich ist, den Wald vor lauter Bäumen zu sehen:


Du bist Deine wichtigste Ressource

Du bist diese Mitarbeiterin aus dem Gedankenspiel oben. Der erste Schritt zu etwas mehr Selbstfürsorge ist der Blick auf die Situation. Tritt einen Schritt zurück und beobachte Dich selbst aus einer neutralen Kamera-Einstellung. Nimm eine andere Perspektive ein und beobachte, wo Du gerade stehst/ rennst.

Sei Dein eigener Chef und übernimm die Verantwortung. Niemand hat etwas davon, wenn Du unter der Last zusammenbrichst – nicht Deine Kunden, Deine Kollegen, Deine Firma, Dein Team und Deine Familie schon gar nicht. Du darfst Dich nicht nur um Deine eigene Regeneration kümmern; ich bin sogar der Meinung, dass Du als jemand, der große Verantwortung trägt und für Vieles so wichtig ist, in der Verantwortung und Pflicht bist, auf Dich aufzupassen.


Vorbild sein

Ich weiß, es ist immer noch schwer, Dir den Raum zu nehmen, den Du für Deine Erholung brauchst. Eine weitere Perspektive könnte es Dir, dem etliche Menschen so am Herzen liegen, leichter machen: Welches Vorbild sollen Deine Mitarbeiter in Dir sehen? Welches Deine Kinder? Bist nicht vielleicht Du derjenige in Deinem Freundes- oder Kollegenkreis, der den Anfang machen kann?

Übernimm diese Verantwortung.


Herzlichst,

Deine Katrin


Und hey – das ist wirklich eine große und wichtige Aufgabe. Wenn Du Unterstützung gebrauchen kannst, schreibe mir eine Mail und wir sprechen, was Dir jetzt gerade helfen würde.


Hier geht es zu den ersten Beiträgen dieser Serie:

Zur Netzwerkorientierung: Gemeinschaft macht stark!

Zur Akzeptanz: Das Loch, in dem wir sitzen

Zum Optimismus: Isn’t it ironic?

Zur Selbstwirksamkeit: Was Du alles kannst!


Tags

Führungsverantwortung, Leadership, Resilienz, Stress abbauen, Stressmanagement


Weitere Denkanstöße

Dankbar?! Wofür denn bitte?

Worauf wartest Du?