24.11.2021

Sneak Preview zum Buch: Was soll der Stress?

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Reiseführer ins Land der Gelassenheit für Menschen mit wenig Zeit

Das wird der Untertitel meines Buches sein. Und wie es sich für einen vernünftigen Reiseführer gehört, gibt es zu Beginn ein Kapitel, das in einem Buch über Spanien zum Beispiel „Land und Leute“ heißt. In meinem Buch zum Stressmanagement heißt das Kapitel: „Die Stress-Landschaft kurz und knapp“ und ich gebe Dir heute Einblick in die ersten Seiten. Der Text ist noch unlektoriert - sei also bitte gnädig mit meiner Grammatik, Satzstellung und vor allem mit den Kommata 🙂


Auszug aus dem Kapitel: Was soll der Stress?

Bevor wir uns gemeinsam auf den Weg zu mehr Entspannung und Gelassenheit machen, lass uns auf ein paar Fakten und Rahmenbedingungen einigen. Lass uns sicherstellen, dass wir das gleiche meinen, wenn wir über Stress und Entlastung sprechen.

Besonders ‘Stress’ ist ein Wort, das uns heute überall umgibt. Von allen Seiten hören wir um uns herum: “Ich bin total im Stress.”, “Der Job ist extrem stressig.”, oder auch anders formuliert, aber inhaltlich ähnlich gemeint: “Es ist einfach (zu) viel gerade!”.

Auf der einen Seite hat diese Omnipräsenz eine fast inflationäre Wirkung auf den Begriff ‘Stress’. Da kannst Du ächzen und über Stress klagen ohne große Reaktionen Deines Umfelds zu erhalten, oder? Außer natürlich die obligatorische Antwort: “Ja, bei mir auch!”. Dadurch entsteht zwar vielleicht ein Gefühl von Gemeinschaft und Verbundenheit - wir sitzen alle im gleichen Boot. Nur leider nimmt es dem Gefühl der Überforderung auch einiges an Dringlichkeit. Es geht ja allen so. Warum sollte es ausgerechnet Dir anders gehen?

Auf der anderen Seite ist uns der Begriff ‘Stress’ mittlerweile so geläufig, dass wir selten genauer hinschauen, was denn ganz konkret damit gemeint ist. Du sagst: “Stress!”, und häufig geht es damit direkt in den Austausch über ellenlange To-Do-Listen und man ist sich wieder einig, dass es “einfach gerade zu viel” ist. Die Gespräche über unsere Alltagsbelastungen, die tiefer gehen und genauer beleuchten, was da eigentlich gerade genau im Argen liegt, sind deutlich seltener als der gemeinsame Nenner an der Oberfläche. Während der gemeinsame Nenner auch wertvoll ist, entsteht für Viele jedoch ein diffus nebliges Stress-Gefühl. Wir spüren den Stress sehr wohl, der uns im Nacken sitzt, im Magen liegt oder im Kopf kreist. Es ist allerdings schwer zu sagen, was genau dahinter steckt und was da gerade passiert.


Stress als Überlebensvorteil

Deshalb lass uns einen kurzen Blick auf die Entstehungsgeschichte von Stress auf der körperlichen Ebene werfen. Stress ist nichts Neues und keine Erfindung der Moderne. Im Gegenteil. Unsere menschliche Stressreaktion, die als Antwort auf äußere Stress-Reize abläuft, ist seit Beginn der Menschheitsgeschichte die selbe.

Unsere Fähigkeit, in Stress zu geraten ermöglicht uns, Gefahren aus dem Weg zu gehen und Herausforderungen zu meistern. Schon vor über einer Millionen Jahren hat das unsere Urahnen dazu befähigt mit Bedrohungen umzugehen. Dies so erfolgreich, dass wir als Spezies bis heute überlebt haben - genauso wie die in uns angelegte Stress-Reaktion. Der Nutzen von Stress erschließt sich, wenn wir uns vorstellen, wie unsere Vorfahren zum Beispiel den Angriff eines Raubtieres überleben konnten. Kam so ein Säbelzahntiger um die Höhlenecke, galt es zu kämpfen oder zu rennen was das Zeug hielt, mit allem was man hatte. Nichts war in dem Moment wichtiger. Die im Körper ablaufende Stress-Reaktion befähigt dazu ideal.


One-size-fits-all … eine Stress-Reaktion für alle Stress-Reize

Dabei hat sich eine Art one-size-fits-all-Ansatz bewährt. Das heißt, es ist uns körperlich bis heute egal, ob ein Säbelzahntiger angreift, der Verstoß aus der Gemeinschaft droht, unsere Vorräte geraubt werden oder uns die zehnte Arbeitsunterbrechung in den letzten fünfzehn Minuten den letzten Nerv raubt. Wenn wir eine Belastung wahrnehmen, läuft in unserem Körper sofort ein Programm ab, das uns einen ordentlichen Energie-Schub verschafft und uns damit zum Kämpfen oder Fliehen befähigt.

Das ist wirklich ein beeindruckendes Programm, das dann in unserem Körper abläuft. Absolut verlässlich, höchst aktivierend und spannend in der Wechselwirkung. Nur die wichtigsten körperlichen Reaktionen auf einen sogenannten Stress-Reiz sind:*

Gehirn

Durch eine gesteigerte Durchblutung ist unser Gehirn hellwach und hat unsere Umgebung laser-sharp im Blick. Das geht leider zu Lasten unseres Erinnerungsvermögens - was wolltest Du nochmal unbedingt auf die Einkaufsliste setzen?

Atmung

Unsere Atmung wird schneller und flacher. Es geht vor allem ums Einatmen, während die Ausatmung an Tiefe verliert. Dadurch nehmen wir mehr Sauerstoff auf.

Herz-Kreislauf

Das Herz wird besser durchblutet und der Herzschlag steigt zusammen mit dem Blutdruck an. Blutgefäße im Herz, im Gehirn (roter Kopf) und in den großen Arbeitsmuskeln werden erweitert. Das Gegenteil passiert mit den Blutgefäßen der Haut, der Hände und Füße (kalte Hände und Füße) und des Verdauungstraktes.

Muskulatur

Die Durchblutung der Skelettmuskulatur wird verbessert und die Muskelspannung erhöht. Dies gilt besonders für die Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur. Häufig ziehen wir instinktiv die Schultern hoch, um unseren empfindlichen Hals vor dem Biss des Säbelzahntigers zu schützen - mit dem heutigen Ergebnis von Nackenverspannungen. Die Bauchdecke wird tendenziell angespannt, um die Eingeweide zu schützen. Unsere Reflexe sind hellwach und wir sind bereit, unsere Muskeln arbeiten zu lassen. Denke: Boxer bevor die erste Runde eingeläutet wird oder Sprinter vor dem Startschuss für die fünfzig Meter.

Verdauung

Alles gleichzeitig geht nicht. Dem Energieverbrauch wird klar Priorität eingeräumt und die Durchblutung von Magen und Darm - und damit die Verdauung - wird gedrosselt. Selbst die Verdauung, die über den Speichel im Mund beginnt, wird durch reduzierten Speichelfluss gehemmt (trockener Mund).

Sexualität

Im uralten Stressprogramm gilt es zu überleben, bevor Fortpflanzung überhaupt wieder eine Rolle spielen kann. Logisch also, aber heute oftmals nicht minder belastend, dass bei Stress die Lust auf Sex gehemmt wird. Es werden weniger Sexualhormone ausgeschüttet, die Genitalien werden weniger durchblutet und beim Mann werden weniger Spermien produziert.

Immunsystem

Kurzfristig betrachtet beflügelt Stress unser Immunsystem. Akut steigt die Anzahl der natürlichen Killerzellen im Blut. Das ist großartig, um Fremdkörper, die zum Beispiel über offene Wunden in unsere Blutbahn gelangt sind, unschädlich zu machen. Allerdings wird mittelfristig - und mittelfristig heißt im Überlebenskampf nach 30 - 60 Minuten - die Immunfunktion wieder gedrosselt, um zum Beispiel allergische Reaktionen zu verhindern.

Sonst noch was?

Ja, in der Tat: Auch unser Stoffwechsel, unsere Haut (schwitzige Hände oder Achseln) und sogar unser Schmerzempfinden werden durch unser biologisches Stress-Programm direkt beeinflusst. Stress lässt uns also überhaupt nicht kalt.


Der Sex ist fad und die Füße kalt

Mal zusammengefasst, können wir stress-aktiviert kurzfristig extrem leisten, super kämpfen und schneller rennen als im entspannten Zustand. Nur lässt uns dafür der Anblick unseres heißen Partners kalt, wenn wir uns trotzdem zu Sex hinreißen lassen, sind die Chancen auf Nachwuchs reduziert und auf’s Klo können wir auch nicht vernünftig. Außerdem haben wir ständig einen verspannten Nacken und kalte Füße.

...


Dies als kleinen Vorgeschmack auf’s Buch. Ich hoffe, ich werde meinem eigenen Anspruch gerecht, auch die theoretischen Aspekte des Themas für Dich gut lesbar zu verpacken. Wie das Lesen jedes Reiseführers soll mein Buch schließlich Lust auf’s Losgehen machen.


Und hey – wenn Du nicht auf das Buch warten kannst, dann schreibe mir unbedingt und wir sprechen, was Dein persönlicher Stress soll, wo Du stehst und welche Schritte Dich zu mehr Gelassenheit führen. Ich freue mich darauf, von Dir zu hören!

Ich lebe und arbeite im schönen Idstein bei Wiesbaden und Frankfurt im Rhein-Main-Gebiet. Die Technik macht es möglich, dass wir auch räumliche Distanz im Online Coaching überbrücken können.


* Quellenangabe: Kaluza, Gert Stressbewältigung. Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung. Berlin: Springer, 4. Aufl., 2017.

Pic by Hannah Meinhardt


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